Fast 30 Polizisten in der Türkei wegen Umsturzversuchs vor Gericht

27. Dezember 2016, 11:50
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Den meisten Angeklagten droht drei Mal lebenslange Haft

Ankara – Fast 30 türkische Polizisten stehen in Istanbul seit Dienstag wegen ihrer angeblichen Verwicklung in den gescheiterten Militärputsch vom Juli vor Gericht. Den 29 Polizisten wird vorgeworfen, sich in der Putschnacht vom 15. Juli der Anordnung zum Schutz des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan widersetzt zu haben.

Der Prozess im größten Gerichtssaal der Türkei in einem Gebäude gegenüber des Gefängnisses von Silivri am Stadtrand von Istanbul begann mit der Verlesung der Vorwürfe, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Die ersten Verhandlungen sollen vier Tage lang dauern.

21 Angeklagten droht drei Mal lebenslänglich insbesondere wegen "Versuchs des Umsturzes der Verfassungsordnung" und "Versuchs des Sturzes der Regierung". Den acht anderen Polizisten drohen Haftstrafen von bis zu 15 Jahren wegen "Zugehörigkeit zu einer bewaffneten terroristischen Organisation".

Erdoğans einstiger Weggefährte

Die islamisch-konservative Regierung der Türkei hält den islamischen Prediger Fethullah Gülen für den Drahtzieher des gescheiterten Militärputsches. Der im Exil in den USA lebende einstige Weggefährte von Präsident Erdoğan bestreitet dies jedoch entschieden.

Ankara geht seit dem Umsturzversuch mit aller Härte gegen Gülen-Anhänger und andere vermeintliche Regierungsgegner vor. Bisher wurden etwa 41.000 Menschen, darunter viele Polizisten, Soldaten und andere Staatsbedienstete, wegen angeblicher Unterstützung der Gülen-Bewegung festgenommen. Zehntausende weitere wurden aus dem Staatsdienst entlassen.

Der Prozess in Istanbul gegen die Polizisten ist der bisher größte im Zusammenhang mit dem Putschversuch. Kleinere Prozesse gab es bereits in anderen türkischen Städten. (APA, 27.12.2016)

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