"Grenzen überschritten": Microsoft bereut Vorgehen bei Windows 10-Upgrade

    27. Dezember 2016, 11:07
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    Fenster mit Hinweis auf Gratis-Aktualisierung interpretierte Schließen-Button als Zustimmung

    Das Jahr neigt sich dem Ende zu und traditionellerweise ist damit auch die Zeit für Rückblicke gekommen. Das gilt auch für große IT-Konzerne wie Microsoft. In der von den Konzernkennern Leo Laporte, Mary Jo Foley und Paul Thurrott betriebenen Internetshow "Windows Weekly" gastierte Marketingchef Chris Capossela und ließ 2016 aus Sicht der Redmonder Revue passieren.

    Smartphone-Misere

    Dabei gab sich der Manager durchaus auch selbstkritisch. Er thematisierte unter anderem die Situation im Smartphone-Bereich. Microsoft hat den Bau eigener Handys mittlerweile aufgegeben, Seitens von Drittherstellern gibt es nur geringe Unterstützung. Der globale Marktanteil von Windows Phone bzw. Windows 10 Mobile ist mittlerweile unter einen Prozent gesunken.

    Die Entwicklung hatte auch Auswirkungen auf das 2015 ausgerufene Ziel, Windows 10 in zwei Jahren auf eine Milliarde Geräte zu bringen. Eine Vorgabe, die man heuer zähneknirschend zurückzog. Letztes Jahr hatte man offenbar noch große Hoffnungen für das Smartphone-Segment als Teil der "Milliardenstrategie". Dennoch ist man stolz auf die 400 Millionen Nutzer, die Windows 10 heute hat, betont Capossela.

    windows weekly

    "Waren zu aggressiv"

    Man wolle freilich, dass alle Nutzer älterer Windows-Ausgaben auf die neueste Generation umsteigen – schon allein aus Sicherheitsgründen. Beim Versuch, das System ein Jahr lang per kostenloser Aktualisierung von Windows 7 und 8 zu verbreiten, hat man es aber mitunter übertrieben, gesteht Capossela. "Wir waren zu aggressiv, das Upgrade zu pushen", sagt er. Man habe die Balance zwar "meist gefunden", aber "besonders mit einer Sache haben wir Grenzen überschritten."

    Und er erklärt auch, welcher Vorfall gemeint ist. Monatelang ließ Microsoft den Nutzern der beiden Vorgängerausgaben von Windows regelmäßig ein Hinweisfenster am Desktop aufpoppen, das an die Upgrademöglichkeit erinnerte – ein Programm, das auch unter dem Namen "GWX" bekannt wurde. Im vergangenen Sommer schließlich änderte man das Verhalten dieses Fensters.

    foto: microsoft

    "Fenster schließen" wurde als Zustimmung gewertet

    Wenn Nutzer die Einblendung per Klick auf das "X" im rechten oberen Eck schlossen, interpretierte GWX dies kurzerhand als Zustimmung zur Aktualisierung und startete diese, sobald das System eine Weile lang nicht benutzt wurde. Es folgte Entrüstung. Zahlreiche User fühlten sich bevormundet, einige klagten über Probleme, die während und nach dem Upgrade auftraten.

    Über die eigenen Erfassungsmechanismen wusste man bei Microsoft "binnen Stunden", dass man "zu weit gegangen war", schildert der Marketingchef. Bis man die Änderung mit einem weiteren Update bei den meisten Usern revidieren konnte, dauerte es allerdings zwei "schmerzhafte" Wochen. Es folgten Klagen durch US-Nutzer und Beschwerden von Behörden. Man habe viel aus diesem Vorfall gelernt, schließt Capossela. Zu hören sind seine Statements zum Windows 10-Upgrade ab etwa Minute 17:30.

    Besonders stolz war man heuer hingegen auf die Funktionserweiterung von Windows 10 durch das "Anniversary Update" im Sommer. Auch die Neuerungen, die mit dem "Creators Update" im kommenden Frühjahr aufschlagen, bewirbt der PR-Chef. (gpi, 27.12.2016)

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