Erste Luftwaffenpilotin Afghanistans ersuchte um Asyl in den USA

27. Dezember 2016, 09:51
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Womöglich Todesdrohungen der Taliban und von Verwandten – Niloofar Rahmani sieht sich schlecht behandelt – Sprecher dementiert

Kabul – Die in ihrer Heimat gefeierte erste Luftwaffenpilotin Afghanistans hat um Asyl in den USA ersucht. Niloofar Rahmani (25) habe gerade ein 15-monatiges Training in den USA absolviert und weigere sich nun, nach Afghanistan zurückzukehren, berichteten US-Medien am Weihnachtswochenende. Sie habe schon im Sommer Asyl beantragt.

Die Zeitung "Wall Street Journal" berichtete von Todesdrohungen der radikalislamischen Taliban, aber auch von Verwandten gegen Rahmani. Der "New York Times" sagte Rahmani, ihre männlichen Kollegen bei der afghanischen Luftwaffe behandelten sie schlecht.

Drohungen erfunden

Die afghanische Regierung reagierte heftig. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Mohammad Radmanish, sagte am Montag, Rahmani habe die Drohungen gegen sie erfunden, um Asyl beantragen zu können. "Hätte sie wirklich Probleme gehabt, hätte sie sich bei zahlreichen Stellen beschweren können."

Die Pilotin war national und international als Symbol für die neue Freiheit von Frauen in der Zeit nach der Taliban-Herrschaft hochgehalten worden. Viele große Fotostrecken zeigten sie mit Pilotenbrille und lässig getragenem Kopftuch im eng anliegenden Fliegeroverall.

Emotionale Diskussion

In den sozialen Medien wurden Rahmanis Motive emotional diskutiert. Die Frauenrechtlerin Waschma Frogh sagte beispielsweise, der Fall solle eine nationale Debatte über die Behandlung von Frauen in den Streitkräften auslösen. Von anderen wurde Rahmani angesichts des sich verschärfenden Krieges im Land "Deserteurin" und "Feigling" genannt.

Am Montagabend gab es dann die Meldung, Nilofar Rahmani habe Medienberichte zurückgewiesen, wonach sie in den USA einen Asylantrag gestellt habe. Das jedenfalls berichtete der afghanische Sender "Tolo TV".

Der Sender bezog sich dabei auf einen Brief, den die 25-Jährige an das afghanische Verteidigungsministerium sowie "Tolo TV"gerichtet habe. Darin habe sie ihre Entschlossenheit bekräftigt, Afghanistan zu dienen. In dem von "Tolo" in Auszügen veröffentlichten Brief schreibt Rahmani: "Ich bin sehr traurig über die Missinterpretationen und entschuldige mich bei allen Kollegen."

Dementi dementiert

Dagegen sagte Rahmanis Anwältin in den USA, Kimberly Motley, der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag, Rahmani habe "definitiv um Asyl ersucht". Die Überschrift und Unterzeile des Artikels auf der Tolo-Webseite ließen es unzulässigerweise so klingen, als sei das nicht der Fall. "Nilofar liebt Afghanistan, und wenn sie davon spricht, ihrem Land zu dienen, dann meint sie, dass sie ihr Heimatland immer als Afghanin vertreten wird – ob dem Asylgesuch nun stattgegeben wird oder nicht." (APA, 27.12.2016)

  • Sieht sich bedroht: Afghanistans erste Kampfpilotin Niloofar Rahmani.
    apa / afp / shah marai

    Sieht sich bedroht: Afghanistans erste Kampfpilotin Niloofar Rahmani.

  • Artikelbild
    apa / afp / shah marai
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