Die miesesten Gadgets des Jahres

27. Dezember 2016, 09:56
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Tastaturlose Laptops, rassistische Filter – einige Produkte aus 2016 werden nicht in bester Erinnerung verbleiben

Neue Technik ist normalerweise ein Grund zur Freude. Egal ob Google seinen Übersetzungsdienst mit der Power neuronaler Computernetzwerke aufwertet, Microsoft mit dem Surface Dial ein neues Eingabegerät für Touchbildschirme erfindet oder Apple mit der Touchbar versucht, das Konzept des Keyboards zu verbessert – auch wenn nicht alles perfekt ist, ist ein Fortschritt zu merken.

Manchmal gehen Hersteller mit ihrer Innovationsfreudigkeit allerdings zu weit. Der Weg zum "nächsten großen Ding" ist gepflastert mit Software und Geräten, deren Durchmarsch durch die Qualitätstests der Produzenten ein mittleres Wunder darstellt. Engadget hat eine Auswahl der miesesten Gadgets des Jahres zusammen getragen.

foto: lenovo

Lenovo Yoga Book: Touchpad statt Tastatur

Während Apple bei seinen neuen Macbook Pro-Geräten die Funktionstasten mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm ersetzt hat, hatte Lenovo beim Yoga Book heuer die Idee, die Tastatur gleich komplett einzusparen. Der untere Teil des Laptops besteht stattdessen aus einem riesigen Touchpad.

Wer darauf zeichnen möchte, braucht einen eigenen Stift. Wer darauf tippen will, sollte wiederum ein sehr gutes Gedächtnis haben. Haptisches Feedback gibt es abseits von Vibration dabei nicht, aber immerhin sind die "Tasten" beleuchtet. Wer seine Hand kurz ablegt, löst unbeabsichtigte Eingaben aus. Was als Konzept für manche Einsatzszenarien tauglich sein könnte, erweist sich als generelle Alltagslösung als unpraktisch. "[Das Touchpad] ist so inkonsistent und frustrierend, dass ich es gemieden habe, wann immer möglich. Es war immer einfacher, die Hand auszustrecken und den Touchscreen zu benutzen", so das Fazit zur Eingabelösung bei Trusted Reviews.

foto: twitter/thegibbles

Snapchat: Ganja-Marley und Reishutasiaten

Dass Snapchat den "420 day", einen inoffiziellen Feiertag für die Verfechter von Cannabis-Freigabe, in seiner Messenger-App ehrt, ist eine Sache. Dass man Reggae-Legende Bob Marley dafür aber in einen schwer klischeebeladenen Filter verwandelt hat, ging dann vielen Nutzern doch zu weit. Eine Reihe von Vorwürfen hat man sich bei Snapchat mit der Erweiterung des Filtersortiments eingehandelt. "Geschmacklos" und "digitale Respektlosigkeit" lautete etwa die Kritik. Sich mittels digitalem Overlay in eine dunkelhäutige Person "verwandeln" zu können, wird als "Blackfacing" von einigen Nutzern als rassistisch empfunden.

Und es war nicht Snapchats erster Ausflug in problematisches Fahrwasser. Mittels "Nerdface"-Filter lassen sich auch dicke Brillen und Zahnspangen anlegen. "Yellowface" hingegen macht Nutzer zu schmaläugigen Reishutträgern mit Hasenzähnen.

foto: derstandard.at/pichler

Apple: "Couragierter" Fehltritt

Als "couragierten" Schritt in die Zukunft verkaufte Apple die Aussparung der 3,5mm-Audioklinke bei der Präsentation des iPhone 7, ein gewichtiges Argument dafür lieferte man jedoch nicht. Dass das Prinzip hinter dem bewährten Stecker bereits einige Jahrzehnte am Buckel hat, vermochte nicht einmal hartgesottene Fans vollends zu überzeugen.

Wer seine bisherigen Lieblingskopfhörer mit dem neuen Smartphone verwenden will, muss den beigelegten Adapter von Lightning zu Klinke verwenden. Der funktioniert zwar, allerdings verlieren einige Headsets damit ihre Tastenfunktionen. Außerdem lässt sich das Handy nicht mehr während des Musikhörens aufladen. Und verliert man das kleine Adapterkabel, heißt es entweder "byebye alte Kopfhörer" oder "hallo, neuer Adapter" – für immerhin neun Euro pro Stück. Ein schlechter Deal, um ein Feature wieder zu bekommen, das außer Apple nie jemand abschaffen wollte.

foto: reuters

Samsung: Feuriges Flaggschiff

Samsungs Smartphone-Flaggschiff für den Herbst ist vermutlich der unangefochtene Spitzenreiter dieser Liste. Das Galaxy Note 7 hat aber zumindest den Vorteil, nicht mehr erhältlich zu sein. Aus gutem Grunde: Denn die Geräte wiesen eine problematische Neigung zur Selbstentflammung des Akkus auf.

Nach der Auslieferung einer zweiten, ebenfalls fehlerhaften Charge, Transportverbote durch Airlines, Berichten über Verletzte und erhebliche Sachschäden hatte Samsung schließlich ein Nachsehen und stampfte das Modell ein. Einige der rund 2,5 Millionen zurückgerufenen Mobiltelefone sind allerdings immer noch im Umlauf. Softwareupdates und die Deaktivierung des Netzzugriffes durch Provider sollen die letzten säumigen Käufer zur Rückgabe bewegen.

Über die Gründe für das feurige Fiasko wird derweil noch gerätselt. Samsung selbst ist immer noch dabei, die Angelegenheit zu untersuchen. Unabhängige Experten vermuten, dass man dem Akku im Bemühen, ein besonders schlankes Handy zu bauen, schlicht zu wenig Platz für seine "natürliche" Ausdehnung gelassen hat. Immerhin: In Japan hat es das Note 7 sogar bis zum Halloween-Kostüm gebracht. (gpi, 27.12.2016)

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