Massengräber in Ostaleppo entdeckt

26. Dezember 2016, 15:26
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Menschen sollen laut russischen Angaben von Rebellen gefoltert und hingerichtet worden seien

Damaskus – Nach der vollständigen Eroberung von Aleppo haben Moskau und Damaskus den aus dem Ostteil der syrischen Stadt vertriebenen Rebellen Gräueltaten an der Zivilbevölkerung vorgeworfen. Es seien "mehrere Massengräber mit dutzenden Leichen" entdeckt worden, erklärte am Montag das russische Verteidigungsministerium.

Moskau kündigte zudem eine noch stärkere Kooperation mit dem Iran an – beide Länder unterstützen in Syrien Staatschef Bashar al-Assad.

Gefoltert und hingerichtet

Zu den entdeckten Massengräbern sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenko, die Menschen seien "grausam gefoltert und hingerichtet" worden. Es müssten nun genaue Untersuchungen folgen. Diese würden aber mit Sicherheit dazu führen, dass der Westen "seine Verantwortung für die Grausamkeiten" der syrischen Rebellen anerkennen müsse.

Die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete ihrerseits, dass die Rebellen bei ihrem Rückzug aus Ostaleppo mindestens 21 Zivilisten getötet hätten. Die Leichen der Opfer, unter ihnen mindestens fünf Kinder und vier Frauen, seien in Gefängnissen der inzwischen vertriebenen "Terrorgruppen" entdeckt worden, zitierte Sana den leitenden Gerichtsmediziner in Aleppo, Saher Hajo. Sie seien "durch Schüsse aus sehr kurzer Distanz hingerichtet" worden.

Wochenlange Kämpfe

Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, dass mehrere Leichen auf den Straßen Ostaleppos gefunden worden seien. Sie konnte aber keine Angaben darüber machen, wie die Menschen zu Tode kamen.

Die syrischen Regierungstruppen hatten am Donnerstag nach wochenlangen Kämpfen mit russischer Unterstützung Aleppo wieder komplett unter Kontrolle gebracht. Auch ihnen werden Gräueltaten zur Last gelegt. Nach UN-Angaben hatten sie in den Tagen vor der Rückeroberung des Ostteils der Stadt mindestens 82 Zivilisten getötet. Die Opfer seien regelrecht hingerichtet worden.

Wichtiger Schritt

Die Vertreibung der Rebellen aus Aleppo wurde vom iranischen Präsidenten Hassan Rouhani und seinem russischen Kollegen Wladimir Putin als wichtiger Schritt im Kampf gegen den "Terrorismus" gefeiert. "Der Sieg der syrischen Armee sendet die Botschaft, dass die Terroristen ihre Ziele nicht erreichen können", sagte Rouhani nach Angaben iranischer Staatsmedien am Samstagabend in einem Telefonat mit dem Kreml-Chef.

Moskau und Teheran sind Verbündete des syrischen Staatschefs Assad und bezeichnen alle Rebellen in Syrien als "Terroristen". Die Kooperation zwischen Russland und dem Iran in Syrien werde fortgesetzt, sagte Putin. Er und Rouhani kündigten Friedensgespräche für Syrien an, die in Kasachstan stattfinden sollen. Einzelheiten nannten sie nicht.

Neben Russland fliegt auch eine US-geführte Militärkoalition Luftangriffe in Syrien. Deren Einsatz forderte nun die Türkei auch bei den Gefechten um die Stadt Al-Bab im Norden des Landes. "Die internationale Koalition muss ihrer Verantwortung nachkommen, vor allem durch Luftangriffe", sagte am Montag der Sprecher von Präsident Recep Tayyip Erdoğan.

Die Türkei führt seit Ende August zusammen mit syrischen Rebellen eine Offensive gegen den "Islamischen Staat" (IS) in Nordsyrien. Die von Ankara unterstützten Kämpfer eroberten mehrere Ortschaften. In Al-Bab, das etwa 25 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt liegt, leisten IS-Kämpfer aber erbitterten Widerstand, mehrere türkische Soldaten wurden getötet.

Am Sonntag verstärkte Ankara den Truppenaufmarsch an der Grenze zu Syrien – offenbar mit Blick auf die Gefechte um Al-Bab. Zudem warf die türkische Armee den IS-Kämpfern vor, mindestens 30 Zivilisten bei dem Versuch getötet zu haben, aus der Stadt zu fliehen. (APA, 26.12.2016)

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