Kein Tee für Erdogan: "Cumhuriyet"-Kantinenchef festgenommen

26. Dezember 2016, 18:25
85 Postings

Wegen angeblicher Beleidigung des Präsidenten drohen vier Jahre Haft

Istanbul/Ankara – Weil er Präsident Recep Tayyip Erdogan keinen Tee servieren will, ist der Kantinenchef der türkischen Oppositionszeitung "Cumhuriyet" ("Republik") festgenommen worden. Senol Buran werde "Beleidigung des Staatschefs" vorgeworfen, berichtete die Zeitung am Montag. Er sei am Sonntag deshalb in Untersuchungshaft genommen worden.

Buran wurde dem Bericht zufolge von einem der Polizisten angezeigt, die für die Sicherheit des Redaktionsgebäudes in Istanbul zuständig sind. Dessen Angaben zufolge soll er gesagt haben, dass er Erdogan keinen Tee servieren würde, falls der Staatschef in die Redaktion käme.

2000 Verfahren

In einer ersten Befragung wies Buran laut "Cumhuriyet" den Vorwurf der Präsidentenbeleidigung zurück. Er habe aber zu seiner Aussage gestanden, dass er Erdogan keinen Tee servieren würde. Auf Präsidentenbeleidigung stehen in der Türkei bis zu vier Jahre Haft. Seitdem Erdogan im August 2014 das Amt des Staatschefs übernahm, wurden schon fast 2000 Verfahren unter diesem Vorwurf in Gang gesetzt.

"Cumhuriyet" ist eine der Erdogan-kritischsten Zeitungen in der Türkei. Mehrere Journalisten des Blattes wurden in den vergangenen Wochen festgenommen, die meisten von ihnen wegen "terroristischer Aktivitäten". Die Staatsanwaltschaft wirft der "Cumhuriyet"-Redaktion vor, in ihrer Berichterstattung unter anderem den gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli "legitimiert" zu haben.

Massenverhaftungen

Die türkischen Sicherheitsbehörden hatten in der vergangenen Woche mehr als 1.600 Menschen unter dem Verdacht vorgeladen, Kontakte zu Extremistenorganisationen zu unterhalten. Mehr als 500 von ihnen seien in Untersuchungshaft genommen worden, teilte das Innenministerium am Montag mit.

Den meisten Betroffenen würden Verbindungen zur verbotenen Organisation des in den USA lebenden Predigers Fetullah Gülen vorgeworfen, dem sie vorwerfen, hinter dem gescheiterten Putschversuch zu stehen.

Die Operationen zwischen dem 19. und dem 26. Dezember seien gegen die Gülen-Bewegung (426 Haftbefehle), die Arbeiterpartei Kurdistans PKK (78 Haftbefehle) und die Terrormiliz "Islamischer Staat" (zwölf Haftbefehle) gerichtet gewesen. Bei Gefechten mit der PKK seien zudem vier Terroristen getötet und fünf weitere gefangen genommen worden.

Das Ministerium teilte weiter mit, 1.960 illegale Migranten seien gefasst worden, 419 davon auf See. 29 Schlepper seien festgenommen worden, gegen 13 davon sei Haftbefehl erlassen worden. (APA, 26.12.2016)

Share if you care.