Deutsche Arbeitgeber: Integration von Flüchtlingen in Jobs schwieriger als erwartet

25. Dezember 2016, 11:01
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Arbeitgeberverband: Integration wird lange dauern

Unternehmen sollten nach Ansicht von Experten schon aus wohlverstandenem Eigeninteresse, Flüchtlingen die Chance auf einen Job eröffnen. "In Sachen Migration ist das Engagement von Firmen eher vom Gedanken an Wohltätigkeit geprägt. Das greift zu kurz. Da wird Potenzial vergeben", sagt der österreichische Arbeitswelten-Forscher Franz Kühmayer vom Deutschen Zukunftsinstitut.

Laut Umfragen in Deutschland lehnten 38 Prozent der Unternehmen die Einstellung von Migranten grundsätzlich ab, viele seien unschlüssig und nur 15 Prozent der Firmen spielen mit dem Gedanken, Flüchtlinge in absehbarer Zeit einzustellen, sagt Kühmayer unter Berufung auf den Dekra-Zeitarbeits-Report 2016.

Mehr Mut

Dabei berichtete drei von vier Unternehmen, die Migranten Arbeitsplätze gegeben haben, von positiven Erfahrungen, sagte Kühmayer. Der wirtschaftliche Aspekt, der Zugang zu ganz neuen Kundengruppen, werde nicht in seiner ganzen Tragweite gesehen. "Zukunft erschließt sich nicht durch Vorsicht, sondern durch mehr Mut. Auf eine buntere Gesellschaft muss man mit einem bunteren Team reagieren. Das ist doch eigentlich logisch", sagte Kühmayer. Das wäre ein lohnendes Investment für den Mittelstand.

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt läuft nach Einschätzung des deutschen Arbeitgeberverbands BDA schwieriger als erwartet. "Die Vorbildung der Flüchtlinge ist vielfach deutlich schlechter, als wir gehofft hatten", sagte BDA-Vizepräsident Gerhard Braun der Deutschen Presse-Agentur. "Dies ist ein langwieriger Prozess. Wer davon träumt, dass nach einem Jahr Hunderttausende schon in Beschäftigung sind, kennt die Zusammenhänge nicht." Im November waren rund 120.000 Menschen aus außereuropäischen Asyl-Herkunftsländern in Beschäftigung, 34.000 mehr als ein Jahr vorher, berichtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Braun ist auch Präsident des rheinland-pfälzischen Unternehmerverbands LVU.

Ein-Euro-Jobs

Städte und Gemeinden in Deutschland sollten nach Vorstellungen von Bundesagentur-Chef Frank-Jürgen Weise mehr Flüchtlinge als Ein-Euro-Jobber beschäftigen. Er hoffe, dass die Kommunen ein vom Bund gefördertes entsprechendes Programm bald stärker nutzten, sagte Weise in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Mit dem Programm sollen Flüchtlinge bereits während ihres Asylverfahrens erste Job-Erfahrungen sammeln können.

Von den 100.000 bereitgestellten Ein-Euro-Jobs seien bis zum 25. November lediglich 6.500 genehmigt gewesen. "Gemessen an den Antragszahlen dürften es bis zum Jahresende etwa 10.000 sein", sagte Weise. Die Bundesagentur verwaltet die Vergabe der Ein-Euro-Jobs. Bereitgestellt werden müssten die Jobs aber von den Städten und Gemeinden. Der Bund übernimmt die Kosten dafür. (APA, 25.12.2016)

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