Tupolew-Absturz: Suche nach Trümmern und Opfern wurde ausgeweitet

26. Dezember 2016, 12:14
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Als Ursache wird technisches Versagen vermutet. Die Blackbox wurde noch nicht gefunden

Moskau/Sotschi – Beim Absturz eines russischen Flugzeugs auf dem Weg nach Syrien sind 92 Menschen ums Leben gekommen. Die Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 ging Sonntagmorgen über dem Schwarzen Meer verloren. Es sei noch zu früh, etwas zur Ursache zu sagen, sagte Transportminister Maxim Sokolow abends.

An Bord waren 64 Sänger und Tänzer des Alexandrow-Armeechors, wie das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Der Armeechor sollte nach Syrien fliegen, um auf der russischen Luftwaffenbasis bei Latakia ein Konzert zu geben. Auch der Chorleiter, Generalleutnant Waleri Chilalow, starb.

Technisches Versagen oder Pilotenfehler vermutet

Die ersten geborgenen Todesopfer wurden zur Identifizierung nach Moskau geflogen, wie Vizeverteidigungsminister Pawel Popow in Sotschi sagte.

Als Ursache werde technisches Versagen oder ein Pilotenfehler vermutet, sagte Transportminister Maxim Sokolow am Montag russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Die Möglichkeit eines Terroranschlags sei weniger wahrscheinlich. Dem werde daher nicht nachgegangen und die Ermittlungen konzentrierten sich auf technische Mängel oder Pilotenfehler.

Bisher elf Leichen geborgen

Die Blackbox mit den aufgezeichneten Daten und Tonaufnahmen aus dem Cockpit wurde bisher noch nicht gefunden. Die Suche nach Opfern und Trümmerteilen werde ausgeweitet. Derzeit sind daran 3.500 Personen, darunter mehr als 100 Taucher, beteiligt. Zudem sind 39 Schiffe, fünf Hubschrauber und eine Drohne im Einsatz. Des Weiteren suchen Soldaten die Küste am Schwarzen Meer ab.

Vorerst konnten elf Leichen aus dem Meer geborgen worden. In Russland herrschte am Montag landesweite Trauer wegen des Flugzeugabsturzes. Im Land wehten Flaggen auf Halbmast. Trauernde legten Blumen am Flughafen von Sotschi und vor dem Gebäude des Alexandrow-Ensembles in Moskau nieder.

Staatstrauer

Präsident Wladimir Putin ordnete für Montag Staatstrauer an. Ministerpräsident Dmitri Medwedew sprach von einer "fürchterlichen Katastrophe", wie die Agentur Interfax meldete. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach Putin nach dem Unglück ihr Mitgefühl aus, wie die Regierung in Berlin mitteilte.

Die Maschine aus Moskau hatte in Sotschi eine Zwischenlandung eingelegt und war nach Militärangaben um 5.25 Uhr Ortszeit (3.25 Uhr MEZ) wieder gestartet. Zwei Minuten später sei der Kontakt abgerissen. Neben den Musikern seien acht Mann Besatzung, neun Fernsehjournalisten der Sender NTW, Erster Kanal und Swesda sowie Militärs und Beamte an Bord gewesen.

Anschlag auf Touristenflugzeug im Oktober 2015

Ende Oktober 2015 war ein russisches Touristenflugzeug mit 224 Menschen über der ägyptischen Sinai-Halbinsel gesprengt worden.

Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrien-Krieg aufseiten des Präsidenten Bashar al-Assad. Die militärischen Verluste waren dabei nach offiziellen Angaben begrenzt. Zur Versorgung der Basis Hamaimim betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr. Dabei werden auch Zivilflugzeuge wie die 1983 gebaute Tupolew eingesetzt.

Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen. In russischen Medien wurde gemutmaßt, dass der Chor ein Konzert in Aleppo geplant haben könnte. Eine zweite Maschine mit weiteren Musikern sei planmäßig in Hamaimim gelandet, berichtete die Zeitung "Nowaja Gaseta".

Die Tragödie werde nichts am russischen Verhältnis zu Syrien ändern, sagte der Vorsitzende des Außenausschusses im Parlament, Leonid Sluzki. "Die Beziehungen zu Syrien sind und bleiben sehr eng, auch im Rahmen der gemeinsamen Operation, den internationalen Terror vom Gebiet des Landes zu vertreiben", sagte er.

Russlands Verbündeter Assad sprach Putin sein Beileid aus. Der Absturz des Flugzeugs, das "gute Freunde" an Bord hatte, habe große Trauer hervorgerufen, schrieb Assad der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge.

1928 gegründet

Das Alexandrow-Ensemble hat eine reiche Tradition als Soldatenchor der sowjetischen und russischen Armee. Gegründet wurde der Chor 1928 von Alexander Alexandrow (1883-1946), der auch die Nationalhymne der Sowjetunion komponierte. Das Repertoire umfasst etwa 2.000 Werke, zu denen orthodoxe Kirchenlieder, russische Volkslieder, Märsche, aber auch Meisterwerke der Popmusik zählen. Eine im Frühjahr geplante Tournee durch mehrere europäische Länder werde trotz des Unglücks nicht abgesagt, sagte der Europa-Manager des Alexandrow-Ensembles, Rudolf Heger, der tschechischen Nachrichtenagentur CTK. Es könne jedoch zu Terminänderungen kommen. (APA, 25.12.2016)

Dieser Artikel wurde mit den aktuellen Entwicklungen ergänzt.

  • Die Suche nach Opfern und Trümmerteilen im Schwarzen Meer am 26.12. 2016.
    foto: apa/afp/yekaterina shtukina

    Die Suche nach Opfern und Trümmerteilen im Schwarzen Meer am 26.12. 2016.

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  • Gedenken an Ensembleleiter Waleri Michailowitsch Chalilow in Moskau
    foto: apa/afp/alexander utkin

    Gedenken an Ensembleleiter Waleri Michailowitsch Chalilow in Moskau

  • Su-34-Bomber und ein Tu-154-Transporter auf dem Weg nach Syrien. Tupolew-Flugzeuge waren lange Zeit das Rückgrat der sowjetischen Zivilluftfahrt. Das dreistrahlige Mittelstreckenflugzeug Tupolew-154 absolvierte seinen Jungfernflug 1968 und ging 1972 in Dienst.
    foto: apa/afp/russian defence ministry

    Su-34-Bomber und ein Tu-154-Transporter auf dem Weg nach Syrien. Tupolew-Flugzeuge waren lange Zeit das Rückgrat der sowjetischen Zivilluftfahrt. Das dreistrahlige Mittelstreckenflugzeug Tupolew-154 absolvierte seinen Jungfernflug 1968 und ging 1972 in Dienst.

  • Die Unglücksmaschine mit der Nummer RA-85572 auf dem Militärflugplatz Tschkalowski bei Moskau, Jänner 2015.
    foto: ap/dmitry petrochenko

    Die Unglücksmaschine mit der Nummer RA-85572 auf dem Militärflugplatz Tschkalowski bei Moskau, Jänner 2015.

  • Gedenken in der russischen Botschaft in Minsk.
    foto: apa/afp/maxim malinovsky

    Gedenken in der russischen Botschaft in Minsk.

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