Doping: Russischer Sport im Schwitzkasten

24. Dezember 2016, 09:35
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Für Präsident Wladimir Putin ist es schlicht unmöglich, dass in Russland ein staatliches Dopingsystem existiert. Außerhalb seines Machtbereichs wird das nicht mehr angezweifelt

Lausanne/Moskau – Und dann schloss er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf: "In Russland hat es nie ein staatliches Dopingsystem oder Dopingunterstützung gegeben, das ist einfach unmöglich", sagte Wladimir Putin am Freitag in Moskau. Es werde alles dafür getan, dass das auch so bleibe.

Gewiss, es gab auch noch Wichtigeres zu besprechen, auf der Jahrespressekonferenz des Staatspräsidenten. Aber an Sportsfreund Putin geht selbstverständlich nicht so einfach vorbei, dass Russland wegen seines scheinbar unendlichen Dopingskandals immer weiter in die Rolle eines Paria schlittert. Nach dem internationalen Biathlonverband reagierte auch der internationale Skiverband (Fis) mit Suspendierungen auf die Erkenntnisse des von der Welt-Anti-Doping-Agentur in Auftrag gegebenen McLaren-Reports, der Russland des staatlich geförderten Dopings zeiht und hunderte russische Sportler zumindest den Indizien nach der illegalen Stärkung sowie der Vertuschung derselben bezichtigt. Die Fis stellt sechs russische Langläufer bis auf weiteres kalt. Erst am Donnerstag wurden bewaffnete Langläufer, darunter zwei Olympiastarter von Sotschi 2014 aus dem Verkehr gezogen.

Das Weltcupfinale im Langlauf, für Ende März in Tjumen angesetzt, wird als vierte in Russland geplante Großveranstaltung aus dem internationalen Sportkalender für 2017 gestrichen. Zuvor war Russland die Bob- und Skeleton-WM im Februar in Sotschi entzogen worden. Am Donnerstag entband der Eisschnelllaufweltverband (ISU) Russland der Ausrichtung des Weltcupfinales in Tscheljabinsk, während der russische Biathlonverband den für die erste Märzhälfte geplanten Weltcup in Tjumen selbstständig zurückgab.

Scheinbar Unantastbares wirkt plötzlich angreifbar. Dass sich Alexej Sorokin, der Organisationschef der Fußball-WM 2018, bemüßigt fühlt, von sich aus zu behaupten, dass es keinerlei Diskussion über einen WM-Entzug gebe und er weder Stress noch Angst fühle, spricht Bände.

Langsam, aber doch kommt auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) in die Gänge. Gegen 28 russische Athleten wurden IOC-Ermittlungen eingeleitet. Zudem sollen die Dopingproben aller russischen Olympia-Teilnehmer von Sotschi 2014 und London 2012 erneut analysiert werden. Für ein Treffen mit den Vertretern nationaler Antidoping-Agenturen fand IOC-Präsident Thomas Bach allerdings bisher keine Zeit. "Für mich ist diese fehlende Kooperationsbereitschaft völlig unverständlich", sagte Österreichs Nada-Geschäftsführer Michael Cepic.

Deutlicher wurde sein US-Kollege Travis Tygart in einem Interview mit dem Spiegel. Tygart wirft dem IOC und Bach Inkonsequenz und Befangenheit vor. Seine Forderung: "Es ist an der Zeit, Russen in allen Sportarten von internationalen Wettbewerben auszuschließen, und zwar so lange, bis sich das Land wieder an die Regeln des Anti-Doping-Codes hält." (sid, lü, 24.12.2016)

  • Doping und kein Ende.
    foto: reuters/karpukhin

    Doping und kein Ende.

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