Türkischer Präsident Erdogan verkündet nahenden Sieg in Syrien

23. Dezember 2016, 18:22
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Ankara unter Druck: Verluste bei Kämpfen gegen IS – Berichte über 88 tote Zivilisten

Ankara/Athen – Nach schweren Verlusten bei den Kämpfen in Nordsyrien und der Veröffentlichung eines Gräuelvideos der Terrormiliz Islamischer Staat, das angeblich die Verbrennung von zwei türkischen Soldaten bei lebendigen Leib in einem Käfig zeigen soll, kommt die politische Führung in Ankara wegen der Militärintervention im Nachbarland nun unter Druck. Die sozialdemokratische Opposition verlangte am Freitag den umgehenden Rückzug der türkischen Armee. 16 Soldaten waren diese Woche bei Gefechten vor der IS-Hochburg al-Bab, 40 Kilometer östlich von Aleppo, getötet worden.

Der türkische Präsident Tayyip Erdogan verkündete gleichwohl die kurz bevorstehende Einnahme der Stadt al-Bab. Auf Berichte über den Tod von mindestens 88 Zivilisten durch türkische Luftangriffe auf al-Bab seit Donnerstag ging Erdogan nicht ein.

Verwirrung um Friedensverhandlungen

Die türkische Armee war im vergangenen August im Norden Syriens gemeinsam mit der von Ankara unterstützten Freien Syrischen Armee (FSA) einmarschiert. Die Intervention war eine Reaktion auf die fortgesetzten Terroranschläge des IS in der Türkei, aber auch auf die starke Stellung der syrischen Kurden im Norden Syriens. Ankara will zumindest an einem Teilabschnitt des Grenzgebiets die FSA anstelle der Kurdenmiliz platzieren.

Aufregung lösten kurzzeitig Bemerkungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin bei dessen Jahrespressekonferenz aus. Putins angebliche Äußerung, Russland, der Iran, die Türkei und Syriens Präsident al-Assad hätten sich darauf verständigt, an Friedensverhandlungen in der kasachischen Hauptstadt Astana teilzunehmen, wurde später von Nachrichtenagenturen korrigiert; alle Seiten hätten sich auf Astana "als Ort" solcher Verhandlungen verständigt, hieß es nun. Die Präzisierung war wichtig, weil die türkische Führung offiziell auf ihrer Haltung beharrt, keine Gespräche mit Assad zu führen. Das Treffen in Astana, für das es noch keinen Termin gibt, soll aus türkischer Sicht auch keinesfalls die Verhandlungen in Genf ersetzen. (Markus Bernath, 23.12.2016)

  • Syrische Rebellen Mitte Dezember beim Kampf um al-Bab.
    foto: afp / saleh abo ghaloun

    Syrische Rebellen Mitte Dezember beim Kampf um al-Bab.

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