Bawag-Verkauf an Kanadier soll vom Tisch sein

24. Dezember 2016, 09:00
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Der kanadischer Pensionsfonds CPP soll sich auch an den geplanten Bonusregeln für Manager gestoßen haben

Wien – Die Verkaufspläne der amerikanischen Bawag-Eigentümer wackeln stark. Der US-Hedgefonds Cerberus, der 52 Prozent der Bank hält, will ja 30 bis 40 Prozent der Bawag-Anteile an den staatlichen kanadischen Pensionsfonds Canada Pension Plan (CPP) verkaufen. Angepeilt war, den Deal noch heuer in trockene Tücher zu bringen – das wird aber nicht geschehen. Der Appetit der Kanadier auf die viertgrößte und profitabelste Bank Österreichs hat zumindest stark nachgelassen, Wohlinformierte sagen sogar, dass der Deal bereits gestorben sei.

Dem Vernehmen nach schrecken vor allem die Bonusregeln die Kanadier ab. Wie der STANDARD berichtet hat, wurden 19 Managern und Aufsichtsratsmitgliedern im Rahmen einer Art von fiktivem Aktienoptionprogramm ("Sars") in Summe rund 188 Millionen Euro vertraglich zugesagt. Die Aufsichtsbehörde Europäische Zentralbank (EZB) hat das Programm zwar nicht zugelassen, trotzdem sollen die Kanadier fürchten, dass das Thema bei einem Einstieg in die Bawag für Diskussionen sorgen könnte. Die Zusagen an die Manager bestehen ja weiter, sie stammen wie berichtet aus den Jahren 2013 bzw. 2014.

Kanadier haben sensible Kunden

Und der Investmentzweig der CPP verwaltet immerhin umgerechnet rund 200 Milliarden Euro; 19 Millionen Kanadier zahlen ein und beziehen ihre Pensionszahlungen aus dem Fonds. Ungefähr ein Fünftel seines Geldes hat der CPP in Europa investiert, die Bawag wäre aber die erste europäische Bank, in die der CPP Geld stecken würde.

Zudem soll den kanadischen Interessenten der Bereich Zahlungsverkehr des Bundes nicht deutlich genug ausgeleuchtet worden sein. Angeblich haben sie Detailerklärungen zu jenem Vertrag mit dem Bund vermisst, auf dessen Basis die Bawag PSK den gesamten Zahlungsverkehr für Bund, Behörden, Ämter und zahlreiche bundesnahe Unternehmen besorgt. Der Kontrakt beinhaltet eine Klausel, wonach der Bund bei einem Eigentümerwechsel aussteigen kann. Schon beim Einstieg von Cerberus in die Bawag 2007 war deshalb spekuliert worden, ob die für die Bank höchst reputierliche Geschäftssparte trotz Eigentümerwechsels bei der Bawag bleiben werde. Andere Banken rechneten sich damals bereits Chancen darauf aus, aber: vergeblich. Das Geschäft blieb bei der Bawag.

Bank prüft mehrere Optionen

In der jüngsten Aufsichtsratssitzung Anfang voriger Woche war das Verkaufsprocedere nur kurz Thema. Den Bawag-Kontrolloren wurde sinngemäß nur beschieden, dass noch Fragen offen seien.

Die Bawag selbst gibt zu diesen Themen keine Stellungnahme ab. Im Oktober hatte Cerberus auf Anfrage gemeint, dass man von einer "Konsolidierung am europäischen Bankenmarkt" ausgehe und "mehrere strategische Optionen für die Bank" prüfe. Cerberus hat die damalige Gewerkschaftsbank 2007 um rund 3,2 Milliarden Euro gekauft, die Finanzkrise kam einem früheren Ausstieg in die Quere. (Renate Graber, 24.12.2016)

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