Alfa Romeo Giulietta: Blick- nicht Staubfänger

25. Dezember 2016, 10:46
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Zweites Facelift für Alfas Giulietta, im Test mit neuer Motor-Getriebe-Kombination

Wien – Frontspoiler mit kesser roter Lippe, Heckdiffusor(-imitat) ebenfalls rot gerahmt, dunkelrote Bremssättel, Mattlack anthrazit, drinnen Kunststoffe in Carbonlook, gelochtes Leder, rote Nähte: Der da macht ganz schön einen auf dicke Hose.

foto: guido gluschitsch

"Der da" ist eine Giulietta mit 120 Diesel-PS, also deutlich kleinbürgerlicher, als der sportive erste Eindruck erwarten ließe, doch das muss man den Italienern lassen: Von Design verstehen sie was, jede(r) schaut sich nach diesem Auto um, kriegt leuchtende Augen; ein Blickfänger.

bella figura

Nüchtern betrachtet haben wir eine recht betagte Signora vor uns, 2010 wurde die Giulietta lanciert, auf der technischen Basis des Fiat Bravo von 2007. Dass der Nachfolger des 147, dessen Designgag der im Fensterrahmen integrierten hinteren Türgriffe er übernommen hat, auch heute noch bella figura macht, spricht für die Langzeitqualität des Designs.

foto: guido gluschitsch

Rasch ein Wort zum Mattlack: Das Thema tauchte vor etwa zehn Jahren auf, wir erinnern uns an einen Lamborghini, dessen Mattschwarz verschluckte fast die rasierklingenscharfe Form, regelrechte Stealth-Beschichtung. Man durfte damit nicht in die Waschstraße, und es kostete eine Lawine, einen Kleinwagen ungefähr. Doch erst heute sehen diese Lacke gut aus, und sie sind nun auch erschwinglich (und haltbar), eine attraktive Alternative zum handelsüblichen Métallisé.

foto: guido gluschitsch

Im Fahrbetrieb bestätigt der Alfa das vor Jahren abgespeicherte Bild: Lenkt sich fein, federt irgendwas zwischen straff und komfortabel, Guido hatte ganz recht mit seiner Einschätzung, das ließe sich nicht immer so genau sagen; jedenfalls gut zum Charakter dieses Alfas passend, der in der Premiumliga nach wie vor nur wenige Gegner hat: Audi A3, Mercedes A-Klasse (und den davon abgeleiteten Infiniti Q30), Volvo V40 und 1er-BMW (einziger mit Hinterradantrieb). Manche von denen sind auch mit Allrad erhältlich, was es beim Julchen nicht gibt.

foto: guido gluschitsch

Neu ist die Motor-Getriebe-Kombination, die wir testen durften. Motor: Diesel, ganz klar als solcher vernehmbar. Rau und kernig. 120 PS. Dazu 6-Gang-TCT, ein Doppelkupplungsgetriebe mit prinzipiell guten Manieren. Kann aber vorkommen, dass es etwas länger überlegt, was für ein Gang denn nun wann einzulegen sei.

Ideale Kombination

Über die Leistung des Aggregats gibt es wenig zu nörgeln. Moderner Diesel, mit dem die Giulietta zwar nicht über-, keinesfalls aber etwa untermotorisiert ist. Im Testschnitt kamen wir auf 7,2 l / 100 km – und die Kombination mit dem TCT kann man weiterempfehlen.

foto: guido gluschitsch

Die Giulietta ist und bleibt also ein ziemlich lässiges Auto. Was allerdings nervt, ist das Infotainmentsystem. Bedienerfreundlich und logisch ist anders.

Zu Alfa allgemein: Von zuletzt unter 70.000 Autos wollen die Italiener den Absatz bis 2018 auf 400.000 weltweit steigern. Nun endlich hat sie auch begonnen, die Modelloffensive, von der schon so lange die Rede war. Giulia: schon da, wenn auch erst punktuell in Österreich. 2017: Stelvio, der erste Alfa-SUV. Und eine große Limousine nicht lange nach 2017 zeichnet sich auch schon am Horizont ab. Endlich wieder einmal gute Zeiten für Alfa-Fans. (Andreas Stockinger, 25.12.2016)

foto: guido gluschitsch

Nachlese:

Alfa Romeo Giulia: Julia sucht Romeos

Audi A3: Aller guten Dinge sind anscheinend wirklich drei

Infiniti Q30: Edel-Nissan mit Sternmotor

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Alfa Romeo

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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