Wie zwei Kleinkatzen mit globalen Katastrophen zurechtkamen

27. Dezember 2016, 18:03
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Supervulkanausbruch und Eiszeiten führten zwei sehr nah miteinander verwandte Arten auf unterschiedliche Wege

Berlin – Südostasien gehört zum Verbreitungsgebiet einiger Großkatzen – dem Tiger, dem Leoparden und dem nur hier vorkommenden Nebelparder – sowie einer ganzen Reihe von Kleinkatzen. Mit zwei Angehörigen dieser Gruppe haben sich nun Zoologen näher befasst und sich ihrer Entwicklungsgeschichte im Spiegel globaler Umweltkatastrophen gewidmet, wie der Forschungsverbund Berlin berichtet.

Goldkatzen der Gattung Catopuma sind Waldbewohner und haben eine Körperlänge vom einem halben bis einen Meter, wozu noch ein langer Schwanz kommt. Die Asiatische Goldkatze (Catopuma temminckii) und die kleinere Borneo-Goldkatze (Catopuma badia) sind Schwesterarten, die sich laut DNA-Analysen vor etwa 3,16 Millionen Jahren voneinander getrennt haben. Beide Arten mussten in diesem Zeitraum mit großen Veränderungen zurechtkommen. Ihre jüngere Entwicklung verlief aber recht unterschiedlich, berichten Wissenschafter des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung.

Sehr unterschiedliche Verbreitungsgebiete

Heutzutage kommt die gefährdete Borneo-Goldkatze nur noch in Borneos immergrünen Regenwäldern vor. Im Gegensatz dazu findet man die Asiatische Goldkatze in den unterschiedlichsten Lebensräumen, vom tropischen Regenwald auf Sumatra bis hin zu den gemäßigten Wäldern des Himalaya und im südlichen China. Die in verschiedenen Umweltbedingungen lebenden Asiatischen Goldkatzen haben verschiedene Farbvarianten, von gefleckt über rötlich und gräulich bis schwarz.

Ein internationales Team führte nun hauptsächlich anhand von Proben von Museumsexemplaren molekulare und morphologische Untersuchungen durch und kombinierte diese mit statistischen Modellen der Artenverteilung im Pleistozän. Die Ergebnisse deuten auf auseinanderlaufende evolutionäre Entwicklungen der beiden so eng verwandten Katzenarten hin.

Während des Spätpleistozäns und besonders gegen Ende der letzten Eiszeit war das Vorkommen der Borneo-Goldkatze auf die Regenwaldgebiete ihrer Heimatinsel beschränkt. Die Ergebnisse des Modells für die Asiatische Goldkatze hingegen zeigten, dass Südostasien während der gesamten Zeitspanne geeignete Lebensräume bot.

Spuren einer Katastrophe

Erstaunlicherweise stellten die Forscher aber eine niedrige molekulare Vielfalt bei der Asiatischen Goldkatze fest – ein scheinbarer Widerspriuch zu ihrem großen Verbreitungsgebiet. Das deutet auf einen drastischen Bestandsrückgang während des Spätpleistozäns hin.

"Wir denken, dass der Toba-Spitzenvulkanausbruch vor etwa 73.000 Jahren auf Sumatra so viele Waldlebensräume zerstörte, dass er einen gewaltigen Rückgang der Asiatischen Goldkatze auslöste, deren Bestände nur in Indochina überlebten. Erst lange nachdem sich während der letzten Eiszeit wieder geeignete klimatische Bedingungen einstellten, waren Asiatische Goldkatzen in der Lage, ihre indochinesische Zuflucht zu verlassen und zu früheren Lebensräumen zurückzukehren. Dabei breiteten sie sich im Norden nach Südchina aus, im Westen nach Indien und insbesonders im Süden nach Sumatra", sagt Doktorandin Riddhi P. Patel.

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Asiatische Goldkatze und die Borneo-Goldkatze trotz ihrer nahen Verwandtschaft ziemlich unterschiedlich mit klimatischen Änderungen während der letzten Eiszeit umgingen: die eine als Spezialistin mit kleinem Verbreitungsgebiet, die andere als Generalistin, die ganz verschiedene Lebensräume eroberte. (red, 27. 12. 2016)

  • Eine Asiatische Goldkatze ...
    foto: wwf-malaysia/azlan mohamed

    Eine Asiatische Goldkatze ...

  • ... und deren kleinere Verwandte, die Borneo-Goldkatze.
    foto: wwf-malaysia/azlan mohamed

    ... und deren kleinere Verwandte, die Borneo-Goldkatze.

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