Cellist und Dirigent Heinrich Schiff gestorben

Video23. Dezember 2016, 16:46
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Der österreichische Instrumentalist starb im Alter von 65 Jahren

Wien – Das Cello strahlt klanglich eine Wesensverwandtschaft mit der Stimme aus. Es vermag kantabel zu tönen, es verführt bisweilen womöglich deshalb zu großer Süße, lässt den Solisten klingen, als wäre er ein wenig verliebt in den eigenen Ausdruck. Heinrich Schiff war Cellist, lange global einer der besten. Er war dies allerdings ob seiner Ausdruckskunst, die über eine Vielzahl an Schattierungen verfügte und nie in die Nähe eitel tönender Eindimensionalität kam.

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Auf Basis einer vitalen und zupackenden Art des Spiels (in Verbindung mit einem strahlenden Ton) sorgte der Virtuose – etwa bei Bachs Cellosuiten – für Präsenz und Eleganz der Linien wie für ausdifferenzierte Details zwischen "angriffslustig" und subtil. Auch Klarheit war immer zugegen im Spiel, und Unbedingtheit – Heinrich Schiff agierte abseits der Beliebigkeit.

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Der 1951 in Gmunden Geborene stellte seine Künste in den Dienst des traditionellen Repertoires, wobei sein Zugang von jenen Errungenschaften profitierte, die Dirigent Nikolaus Harnoncourt (mit dem er zusammengearbeitet hat) im Bereich der historisch informierten Aufführungspraxis erstritten hatte.

Auch klassische Moderne (packend seine Version des 1. Cellokonzerts von Schostakowitsch) oder ganz Neues (für Schiff schrieben Lutosławski, Henze, Krenek, Rihm, Zykan) transportierte der Instrumentalist mit Enthusiasmus. Und auch Friedrich Gulda schrieb für ihn ein Cellokonzert, stellte Schiff dabei – mit rasenden Linien – auch in ein folkloristisch-heiteres Bläserambiente.

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Man hatte wohl eine Weile Spaß am gemeinsamen Musizieren, schließlich aber zerstritt man sich. Gulda nahm Schiff übel, dass dieser in Salzburg sein Cellokonzert durch eines von Haydn ersetzt hatte. Fortan sprach man nicht mehr miteinander, wiewohl beide am Attersee wohnten.

Schiff war übrigens auch als Dirigent ein Apologet des dynamischen, vorwärtsdrängenden Musizierens, der seine Cellistenkarriere aber auch wegen einer Krankheit letztlich vorzeitig abbrechen musste (er war u.a. auch Chefdirigent des Wiener Kammerorchesters). Heinrich Schiff starb in der Nacht auf den 23. Dezember 65-jährig in einem Wiener Spital. (Ljubiša Tošić, 23.12.2016)

  • Energie und Tiefsinn in produktiver Verbindung – der österreichische Cellist Heinrich Schiff, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2006.
    foto: matthias cremer

    Energie und Tiefsinn in produktiver Verbindung – der österreichische Cellist Heinrich Schiff, hier auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2006.

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