Russlands Biathleten kommen glimpflich davon

22. Dezember 2016, 20:29
10 Postings

Weltverband spricht keine Kollektivstrafe aus – Dopingsperre gegen zwei Olympiastarter – Russland gibt Weltcup zurück

München – Russlands Biathleten sind nach den Doping-Enthüllungen um eine Kollektivstrafe herumgekommen. Zwei der 31 verdächtigen Russen wurden am Donnerstag vom Weltverband IBU vorläufig gesperrt. Die Namen der beiden Olympiastarter wurden nicht genannt. Die IBU leitete zudem"formelle Untersuchungen" gegen den russischen Verband und 29 der im McLaren-Report genannten Sportler ein.

Auf eine Suspendierung wurde zunächst verzichtet. Dies teilte der Weltverband nach einer Vorstandssitzung am Donnerstag in München mit. 31 russische Skijäger waren zuvor im McLaren-Report als dopingverdächtig genannt worden. Um einem Boykott von anderen Ländern zuvorzukommen, gab der russische Biathlonverband die Juniorenweltmeisterschaft in Ostrow und den Weltcup in Tjumen im März 2017 zurück.

IOC begrüßt Entscheidungen

Das Internationale Olympische Komitee begrüßte die Entscheidungen. "Sie steht im Einklang mit den Empfehlungen des Olympic Summit und des IOC-Vorstandes", sagte ein Sprecher. IBU-Chef Anders Besseberg erklärte, die Rückgabe der Veranstaltungen sei ein erster wichtiger Schritt der russischen Biathlon-Union, "um der IBU und der Welt des Sports zu zeigen, dass die aktuelle Situation sehr ernst genommen" werde. Die für 2021 geplante Weltmeisterschaft in Tjumen wurde allerdings zunächst nicht angetastet. Der Bob- und Schlittenverband hatte zuletzt Sotschi die WM im Februar 2017 entzogen und nach Königssee verlegt.

Erst am Donnerstag vor einer Woche hatte Besseberg die Doping-Vorwürfe gegen die 31 russischen Skijäger öffentlich gemacht. Eine fünfköpfige Expertengruppe aus fünf Nationen hatte danach die Indizien aus dem Wada-Bericht überprüft.

Staatliches Doping

Mehr als 1000 russische Sportler waren nach Ermittlungen der Welt-Anti-Doping-Agentur zwischen 2011 und 2015 Teil der staatlichen Dopingpolitik. Es wurden Beweise gefunden, dass Dopingproben von insgesamt zwölf Medaillengewinnern der Sotschi-Spiele 2014 manipuliert wurden. Vier Olympiasieger seien dabei gewesen, hatte Wada-Chefermittler Richard McLaren am 9. Dezember in London mitgeteilt. Von den 33 russischen Olympiamedaillen in Sotschi gingen vier an Biathleten.

Schon vor dem Doping-Gipfeltreffen der Biathlon-Topfunktionäre waren die Russen in die Offensive gegangen. Man arbeite seit Jahren eng mit der Wada zusammen und sei kooperationsbereit, hatte der Verband in einer Erklärung geschrieben. In den vergangenen Tagen war der Druck auf die IBU mit Boykott-Aufrufen von Spitzenathleten und Verbänden erhöht worden. "Für solche Boykottaufrufe sollten Sportler bestraft werden", forderte der ehemalige russische Ex-Sportminister Witali Mutko. (APA, 22.12.2016)

  • Das Licht am Ende des Tunnels trügt.
    foto: apa/afp/cizek

    Das Licht am Ende des Tunnels trügt.

Share if you care.