Türkei verlangt von Apple Attentäter-iPhone zu knacken

22. Dezember 2016, 17:56
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Mörder des russischen Botschafters hatte iPhone 4s bei sich – Alternativ sollen russische Experten helfen

Mit all seinen rechtlichen Möglichkeiten hat sich Apple Anfangs des Jahres gegen die Aufweichung der Verschlüsselung seiner iPhones gewehrt. Ließe man sich auf das Begehren der Behörden ein, eine spezielle iOS-Version zu entwickeln, die zentrale Sicherheitsfunktionen der Geräte deaktiviert, würde damit die Büchse der Pandora geöffnet, hieß es damals. Dies obwohl es dabei um das Smartphone einer jener Personen ging, die einige Monate zuvor einen Terroranschlag im kalifornischen San Bernadino verübt hatten. Nun endet das Jahr so wie es für Apple begonnen hat – nämlich mit Begehrlichkeiten von staatlicher Seite.

Forderung

Die türkischen Behörden verlangen von Apple das iPhone jenes Mannes zu knacken, der vor wenigen Tagen Andrej Karlow, den russischen Botschafter in der Türkei, ermordet hat. Der Fall ähnelt insofern jenem von San Bernardino als auch der 22-Jährige Polizeibeamte Mevlüt Mert Altintaş nach seiner Tat erschossen wurde, also nicht mehr bei der Entsperrung des Geräts behilflich sein kann.

iPhone 4s

Im konkreten Fall geht es um ein iPhone 4s, also ein Gerät das vor mittlerweile mehr als fünf Jahren vorgestellt wurde. Das Smartphone ist zwar offenbar nur durch einen vierstelligen Pin-Code gesperrt, aufgrund dessen, dass Apple aber die maximale Zahl der Versuche und den Abstand zwischen diesen softwareseitig bestimmt, ist es bisher noch nicht gelungen, das Gerät zu entsperren

Einschätzung

Die Behörden gehen laut lokalen Medienberichten offenbar davon aus, dass Apple die Anfrage ablehnen wird. Wenn man sich schon im Fall von San Bernardino nicht beuge, werde das Unternehmen wohl auch hier kaum nachgeben. Zumal der Hebel, den die türkische Regierung gegen Apple hat, deutlich kleiner ist als jener, den US-Behörden beim in Kalifornien angesiedelten Unternehmen ansetzen können.

Alternative

Angesichts dieser Lageeinschätzung, arbeiten die Behörden offenbar bereits an einem Plan B. So sollen russische Experten eingeflogen werden, die beim Zugriff auf das Gerät helfen sollen. In Russland gibt es mehrere Unternehmen, die sich auf solche Aufgaben spezialisiert haben, darunter etwa die Firma Elcomsoft, die eigene forensische Tools zur Analyse von iPhones im Angebot hat. (apo, 22.12.2016)

  • Zugriff auf die Daten gibt es auch beim iPhone 4s nur, wenn es entsperrt ist.
    foto: susanna bates / epa / apa

    Zugriff auf die Daten gibt es auch beim iPhone 4s nur, wenn es entsperrt ist.

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