Milliardär Carl Icahn berät Donald Trump in Sachen Deregulierung

Kopf des Tages22. Dezember 2016, 17:54
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Der milliardenschwere Investor und lautstarke Kämpfer gegen staatlichen Einfluss wird Trumps Regulierungsberater

Carl Icahn zum US-Sonderberater in Regulierungsfragen zu machen ist, wie einen Hundehasser zum Beauftragten für Tierschutz zu ernennen. Der Milliardär ist Geschäftspartner und Freund des neuen Präsidenten Donald Trump. Beide sind bekannt dafür, dass sie vieles möglichst schnell beenden wollen, was unter dem scheidenden Präsidenten Barack Obama eingeführt wurde – darunter Wirtschafts- und Finanzregulierungen.

Icahn, der laut Trump "einer der großartigsten Geschäftsmänner der Welt" ist, wird bei seiner Beratertätigkeit zwar keinen Regierungsposten innehaben und kein Gehalt dafür beziehen – aber im Gegenzug wird er auch keinen ethischen Regeln unterworfen sein.

Solche Regeln haben ihn, der von den Medien gerne als ein Vertreter des "Raubtierkapitalismus" bezeichnet wurde, nie besonders behindert. Der Börsenspekulant ist Spezialist für feindliche Übernahmen. Sein Firmeneinstieg bei der Fluggesellschaft Trans World Airlines (TWA) Mitte der 1980er-Jahre diente als Vorlage für den Hollywoodfilm "Wall Street". Icahn war dabei das Vorbild für die Hauptfigur des Films, Gordon Gekko, der vom US-Schauspieler Michael Douglas gespielt wurde.

Typischer aktivistischer Aktionär

Es sind die Bieterkämpfe, die Icahn – einen typischen "aktivistischen Aktionär" – berühmt machten. In der Regel steigt er in einem Unternehmen ein und zwingt das Management dann mit unterschiedlichen Tricks, mehr auf das Wohl der Aktionäre zu sehen als auf Firmeninteressen. Der Satz "Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund", der im Film von Gordon Gekko gesagt wird, soll direkt von dem Firmenschreck stammen.

Doch hat Icahn eine große Fangemeinde unter den Börsianern. Der Kurssprung von Aktien von Unternehmen, die ins Blickfeld des Spekulanten geraten, wird gerne "Icahn Lift" genannt – beobachtbar bei vielen Unternehmen, die auf das Radar des 80-Jährigen kamen: Apple, Dell, Ebay. Das Magazin "Forbes" schätzt sein Vermögen auf 16,2 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro).

Icahn, der in zweiter Ehe verheiratet ist und aus erster Ehe zwei erwachsene Kinder hat, ähnelt seinem Freund Trump. Beide sind wenig öffentlichkeitsscheu, lieben große Auftritte und haben eine markige Ausdrucksweise. Erst im Februar hat Icahn das mittlerweile geschlossene Kasino Trump Taj Mahal in Atlantic City aus Trumps insolventem Glücksspielimperium herausgekauft. (Johanna Ruzicka, 22.12.2016)

  • Börsenschreck Carl Icahn stand für den Film "Wall Street" Pate.
    foto: reuters

    Börsenschreck Carl Icahn stand für den Film "Wall Street" Pate.

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