Unfall von Pilot Hannes Arch "menschliches Versagen"

22. Dezember 2016, 17:33
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Das Sachverständigengutachten der Staatsanwaltschaft schließt ein technisches Gebrechen aus

Wien – Nach dem tödlichen Hubschrauberabsturz von Air-Race-Pilot Hannes Arch im September liegt das flugtechnische Sachverständigengutachten vor. "Der Unfall ist auf menschliches Versagen zurückzuführen", sagte Tina Frimmel-Hesse, stellvertretende Leiterin der Medienstelle der zuständigen Staatsanwaltschaft Klagenfurt, dem STANDARD. "Ein technisches Gebrechen ist auszuschließen."

Arch habe den Hang, an dem sein Helikopter zerschellt ist, zu spät gesehen. Er sei auch nicht mit Spezialscheinwerfern geflogen. Das Gutachten spreche laut Frimmel-Hesse von einem Pilotenfehler. Arch war zum Zeitpunkt seines Unfalls aber weder betrunken, noch durch andere Substanzen beeinträchtigt, wie zuvor das ebenfalls von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene toxikologische Gutachten ergeben hatte – DER STANDARD berichtete.

Gegen Nachtverbot verstoßen

Arch war mit seiner Robinson R66 am 8. September gegen 21 Uhr im Großglocknergebiet gegen eine Felswand geprallt und tödlich verunglückt. Ein 62-jähriger Deutscher hatte den Absturz schwer verletzt überlebt. Den Nachtflug zurück nach Salzburg hätte Sportpilot Arch gar nicht bestreiten dürfen: Die Elberfelder Hütte, die er mit Lebensmitteln beliefert hatte, liegt in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern. In dieser sind keine Flüge nach 16 Uhr erlaubt.

Weltmeister im Air Race

Kunstflieger Arch hatte sich 2008 zum Weltmeister der Rennserie Air Race gekürt. Bei der diesjährigen Auflage wurde er posthum Dritter. Arch war zudem Betreiber seiner Flugtransportfirma.

Weitere Ermittlungen

Während die Staatsanwaltschaft mit ihrem Gutachten den Fokus auf Schuld- und Haftungsfragen legte, prüft auch die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes den Unfall. Laut Peter Urbanek, dem Leiter der Abteilung, soll bei diesen Untersuchungen die genaue Unfallursache geklärt werden, um daraus Empfehlungen für die Luftfahrt gewinnen zu können.

Noch gibt es kein Ergebnis. "Die technischen Untersuchungen des Wracks sind aber weit fortgeschritten und fast abgeschlossen", sagte Urbanek. Noch nicht geklärt sind auch offene Fragen zum Flugbetrieb. Der Untersuchungsbericht soll im ersten Quartal 2017 vorliegen. (David Krutzler, 22.12.2016)

  • Der erfahrene Kunstflieger Hannes Arch kürte sich im Jahr 2008 zum Weltmeister der Rennserie Air Race.
    foto: apa / philip platzer

    Der erfahrene Kunstflieger Hannes Arch kürte sich im Jahr 2008 zum Weltmeister der Rennserie Air Race.

  • Das Wrack an der Absturzstelle im Großglockner-Gebiet. Der tödliche Unfall geschah am 8. September gegen 21 Uhr.
    foto: apa/expa/jfk

    Das Wrack an der Absturzstelle im Großglockner-Gebiet. Der tödliche Unfall geschah am 8. September gegen 21 Uhr.

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