Steiermark: App zum Melden von Hasspostern entwickelt

22. Dezember 2016, 17:46
101 Postings

Die Antidiskriminierungsstelle Steiermark entwickelt eigene App zum Melden von hetzerischen Postings. Digitale NS-Delikte schnellten 2016 in die Höhe

Graz – Kurz vor Jahresende meldete sich die Antidiskriminierungsstelle Steiermark am Donnerstag noch einmal mit alarmierenden Zahlen zu Wort. Denn unter den Fällen von Diskriminierung, die der Stelle jährlich gemeldet werden, hat sich die Zahl jener von Hasspostings im Internet 2016 fast verdreifacht: 109 waren es heuer.

Daniela Grabovac, die Leiterin der Stelle, präsentierte mit Politikern und Prominenten Maßnahmen, die den Hass im Netz eindämmen sollen. Eine davon ist die verpflichtende Verwendung von Klarnamen – auch wenn Experten nicht davon überzeugt sind, dass die Maßnahme auf jeden Poster hemmend wirkt. Grabovac hofft jedenfalls, dass die Klarnamenpflicht durch die 2018 in Kraft tretende europäische Datenschutzgrundverordnung ohnehin forciert wird. Melden, anzeigen und verurteilen könne man etwaige Täter dann jedenfalls leichter.

2016 mehr NS-verherrlichende Postings

Besonders stark stiegen Postings mit NS-Verherrlichung, sie sollen laut Grabovac bereits 35 bis 40 Prozent aller gemeldeten Fälle ausmachen. "Letztes Jahr waren es noch eher hetzerische Postings zu Flüchtlingen und Migranten, dazu sind jetzt vermehrt solche mit Bezug zu Gaskammern und Kzs gekommen", sagt Grabovac dem STANDARD.

Eine weitere Erleichterung beim Melden von Hasspostern soll eine eigens von der Antidiskriminierungsstelle entwickelte App bringen. "Mit zwei Klicks", erzählt Grabovac, soll man das Posting, das gescannt wird, direkt zu ihrer Stelle schicken können. Die App ist noch unter dem Arbeitstitel Anti-Hass-Posting-App in der Entwicklung und wird im Februar 2018 vorgestellt.

ÖVP-Stadtrat Kurt Hohensinner regte beim gemeinsamen Pressegespräch am Donnerstag an, bei hetzerischen Postings die Verfasser mit dem Hashtag #zeigdeingesicht aufzufordern, Farbe beziehungsweise den eigenen Namen zu bekennen. Ob das einen mit Schaum vor den Mund Schreibenden bremsen wird, bleibt abzuwarten, einen Versuch ist es aber allemal wert. SPÖ-Landesrätin Doris Kampus warnte indes davor, dass den Worten im Netz oft Gewalttaten folgen würden, und forderte "Zivilcourage, um diesen Auswüchsen entgegenzutreten".

Hoffnung auf den Rechtsweg

Dass sich große IT-Unternehmen wie Facebook, Twitter und Youtube mittlerweile verpflichten, gewisse Richtlinien einzuhalten, lässt Grabovac hoffen. Auch über den Erfolg der Grünen im Rechtsstreit gegen Facebook habe man sich sehr gefreut.

Unter den Prominenten, die die Kampagne gegen Hasspostings unterstützen, sind Musiker Ewald Pfleger und Trainer und Ex-Sturm-Spieler Mario Haas, der bedauerte, dass sich gerade unter Fußballsfans die Gemüter oft allzu schnell erhitzten. Er erinnerte an den Grundgedanken des Fair Play: "Ich möchte Menschen wieder dazu aufrufen, sich auf das Wesentliche zu besinnen und Sport ausschließlich an der Leistung und nichts anderem zu messen." (cms, 22.12.2016)

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