Trump holt Freunde, aber auch Kritiker Chinas in sein Team

22. Dezember 2016, 17:13
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Iowas Gouverneur Terry Branstad ist seit mehr als 30 Jahren ein persönlicher Freund des chinesischen Präsidenten. Andere sind hingegen Anti-China-Hardliner

Terry Branstad war gerade Gouverneur von Iowa geworden, als er Xi Jinping zum ersten Mal traf. Das war 1985. Eine Delegation aus China besuchte den Bundesstaat im Mittleren Westen der USA, um von den Erfahrungen amerikanischer Landwirte zu lernen. Xi war damals ein unbekannter Apparatschik aus der Provinz Hebei.

Branstad legte Wert darauf, die Gäste persönlich zu empfangen, denn China war ein Markt, den Iowa – der Staat endloser Maisfelder – unbedingt erschließen wollte. Und so kam es, dass Xi, heute chinesischer Staatspräsident, Branstad einen alten Freund nennt. Damals in Muscatine am Mississippi, ließen ihn Tom und Eleanor Dvorchak im Kinderschlafzimmer wohnen, umgeben von "Star Trek"-Figuren.

"Für mich seid ihr Amerika", schmeichelte er seinen Gastgebern aus Iowa, als er 27 Jahre nach der Premiere in Muscatine ein zweites Mal kam. "Was ich an Eindrücken über dieses Land sammelte, das stammt von euch."

Folgerichtiger Kandidat

Angesichts der Vorgeschichte liegt es auf der Hand, einen wie Branstad als Botschafter nach Peking zu entsenden. Ein wenig überraschend kam es dann aber doch, als Donald Trump den 70-Jährigen berief. Im Wahlkampf hatte Trump damit gedroht, chinesische Exporte in die Vereinigten Staaten mit Zöllen von 45 Prozent zu belegen. Als designierter Präsident nahm er nicht nur einen Anruf der taiwanischen Staatschefin entgegen, er machte auch deutlich, dass er die Ein-China-Politik – wonach die USA allein die Volksrepublik, nicht aber Taiwan anerkennen – auf den Prüfstand zu stellen gedenkt.

Das wirft die Frage auf, was er mit der Personalie Branstad bezweckt. Soll Xis "alter Freund" ein Seelentröster sein, der nette Wortgirlanden flicht, um einen in der Sache verschärften Kurs abzuschwächen? Oder signalisiert Trump, dass seine aggressiven Parolen, die prompt die Angst vor einem Handelskrieg schürten, nur Wahlkampflärm waren? Es gibt nicht viele Experten in Washington, die entweder auf das eine oder das andere wetten würden.

Der Mann, der Jane Fonda verhaftet haben soll

Nach dem Studium diente Branstad als Militärpolizist bei der Armee, es war die Zeit heftiger Proteste gegen den Krieg in Vietnam. Angeblich, so erzählen es zumindest einige seiner Parteifreunde, soll er die Schauspielerin Jane Fonda, eine der prominentesten Kritikerinnen des Krieges, in Handschellen abgeführt haben, als sie vor dem Stützpunkt Fort Bragg eine Sperrlinie übertrat.

1973 wurde Branstad erstmals in Iowas Kongress gewählt, zehn Jahre darauf zum Gouverneur des "Hawkeye State" ernannt. Bis 1999 hatte er das Amt inne, bevor er eine Pause einlegte, aber nur um 2010 erneut anzutreten – und erneut zu gewinnen.

Als das republikanische Establishment Trump noch die kalte Schulter zeigte, gehörte er schon zu den wenigen, die den Immobilienmilliardär unterstützten, sich anfangs aber eher neutral verhielten. Er tat es auch deshalb, weil Ted Cruz, der texanische Gegenspieler des New Yorker Tycoons, die Ethanolsubventionen für die Maisbauern Iowas zurückfahren wollte, womit er den Zorn des Gouverneurs auf sich zog. Dessen Sohn Eric leitete das Kampagnenbüro Trumps in Iowa. Ein anderer Sohn, Marcus, geht mit Trumps ältestem Sohn, Donald junior, auf die Jagd.

Jobs als Belohnung

Branstad senior, so viel lässt sich sagen, wird nach gewonnener Schlacht für seine Treue belohnt, wie das bei amerikanischen Botschaftern – oft Großspender eines Kandidaten – ja häufig der Fall ist: mit einem Wunschposten.

Einen Kontrapunkt zu Branstad stellt Starinvestor und China-Kritiker Carl Icahn dar. Trump holt sich den 80-Jährigen vor allem für Regulierungsfragen sowie den ebenso chinakritischen Peter Navarro als Chef des Nationalen Handelsrats ins Team.

Belohnt wird auch Kellyanne Conway, die im Sommer die Leitung von Trumps Wahlkampagne übernahm. Auch sie wird Beraterin des 45. US-Präsidenten – und damit die ranghöchste Frau im Weißen Haus. (Frank Herrmann aus Washington, 22.12.2016)

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    Terry Branstad muss als künftiger US-Botschafter Donald Trumps Politik in China erklären.

  • Kellyanne Conway wird als Sonderberaterin die höchstrangige Frau im Weißen Haus.
    foto: apa/afp/jewel samad

    Kellyanne Conway wird als Sonderberaterin die höchstrangige Frau im Weißen Haus.

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    Carl Icahn soll vor allem in Regulierungsfragen für den 45. Präsidenten tätig werden.

  • Peter Navarro wird Chef des Nationalen Handelsrats im Weißen Haus.
    foto: uci

    Peter Navarro wird Chef des Nationalen Handelsrats im Weißen Haus.

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