"Angriff der Lederhosenzombies": Hüttengaudi mit Blutsuppe

23. Dezember 2016, 11:00
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Der österreichische Regisseur Dominik Hartl liefert eine zünftige Stilübung im Genre des Splatterfilms für unverheiratete junge Männer ab. Die Witze fliegen tief, gedreht wurde in der Originaljugendsprache Denglisch

Wien – Die schönen Berge. Das Land Tirol. Das kennst du wohl: Zwischen Bergstation, Einkehrschwung und Hüttengaudi hat das Authentische höchstens Platz, wenn es so zart daherkommt, dass es auf einem Dreiersessellift gerade noch als viertes Rad Platz findet. Und finden wir uns nach Jahrzehnten der Lügen gegenüber die deutschen Gäst' damit ab: Es wird auch morgen nicht schneien. Weihnachten wird so wie jedes gottverdammte Jahr grün, also gatschbraun mit kunstgepritztem Mittelstreifen hinunter ins Tal.

foto: fischer film
In der wunderschönen Bergwelt unserer Alpen fällt die Unterscheidung zwischen angeschlagenen Après-Ski-Gästen und durstigen Zombies oft schwer.

Der richtige Schnee kommt erst Ende Jänner. Real existierender, also vom Himmel auf die Erde fallender Winterzauber ist für die Pistenpräparierung aufgrund seiner Unberechenbarkeit mittlerweile ohnehin ungefähr so beliebt wie der Andachtsjodler bei einem Konzert von Hansi Hinterseer. Und dass einem vom Kunstschnee das Kotzen kommen kann, das finden höchstens noch ältere Leute glaubwürdig, die Felix Mitterers Piefke-Saga für eine erfundene Geschichte halten.

Regisseur Dominik Hartl legt in seinem weitgehend in alpenländischem Snowboarder-Denglisch gedrehten Film Angriff der Lederhosenzombies die Latte mit den Zaunpfählen nicht besonders hoch. Aufgrund der Entwicklung eines erstmals auch wärmebestänigen Kunstschnees mutieren Touristen bei Berührung des selbigen zu schleimigen, ihre Gedärme ausspeibenden Zombies. Zombies und/oder Touristen wollen bekanntlich gern ein Speckbrot essen. Speck muss nicht immer vom Schwein stammen.

Bei einer Après-Ski-Party auf einer von der roten Dose und DJ Ötzi regierten Berghütte fallen die Untoten längere Zeit gar nicht auf. Wer im Zombiegenre halbwegs eingelesen ist, weiß, dass sich auch Betrunkene so bewegen und naturgeschminkt sind.

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Drei junge, in der Hütte gefangene Snowboarder wehren sich allerdings mit Händen, Kanten und Schneefräsen gegen die Bedrohung. Dass eine resche Hüttenwirtin sich gegenüber Fremden durchzusetzen weiß, schmeck's: "Heit gibt's Faschiertes!"

Die Körpersäfte spritzen, die Gliedmaßen fliegen durch die Bergluft, mutiertes Rotwild röhrt den blutroten Mond an. Wenn nicht alpiner Halbdebilen-Techno aus den Boxen pumpt (Achtung: ein Authentizitätsmerkmal so einer Gaudihütten!), erklingt der Donauwalzer. Es ist eh Blunzen, den Marmeladingern aus Castrop-Rauxel kann man alles als Original hineindrücken.

Leider schwappt die Blutsuppe mehr als einmal Richtung Bauerntheater. Das bedeutet Humor mit einfachem Boden und einem Schistock durch den Kopf als dramaturgischen Höhepunkt.

Der Zombiefilm im Tiefschnee für junge Testosteronbolzen kennt zwar mit Dead Snow von 2009 ein norwegisches Original. Obwohl es sich auch hier anbieten würde: Die Lederhosenzombies kommen aber ganz ohne untote Nazis aus. Ein Klischee weniger. (Christian Schachinger, 23.12.2016)

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