Prozess um bewaffnete Auseinandersetzung vor Jugendzentrum vertagt

22. Dezember 2016, 14:01
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Fortsetzung am 15. Februar, weil mehrere Zeugen nicht erschienen – Alle Angeklagten mittlerweile auf freiem Fuß

Wien – Der Prozess um eine Massenschlägerei zwischen afghanischen und tschetschenischen Jugendlichen, die am 5. März 2016 vor einem Jugendzentrum in der Brigittenau stattgefunden hatte, ist am Donnerstag im Wiener Landesgericht vertagt worden. Mehrere Zeugen waren unentschuldigt nicht erschienen. Die seit Anfang Oktober laufende Verhandlung wird am 15. Februar 2017 fortgesetzt.

Einer der insgesamt zehn Angeklagten reagierte auf die Vertagung äußerst ungehalten. Er trat – offenbar im Frust – nach dem Verlassen des Gerichtssaals auf davor befindliche Sessel ein. Er musste vom Verfassungsschutz, der die Verhandlung überwachte, und Uniformierten beruhigt werden.

Die Anklage legt neun Afghanen und einem gebürtigen Sudanesen schwere gemeinschaftliche Gewalt zur Last, wofür das Strafgesetzbuch bis zu zwei Jahre Haft vorsieht. Sieben Tschetschenen waren bei den Gewalttätigkeiten verletzt worden, davon drei schwer. Jene drei Afghanen, die zugestochen und die schweren Verletzungen verursacht haben sollen, müssen auch wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung geradestehen. Mittlerweile befinden sich sämtliche Angeklagte auf freiem Fuß – das Gericht gab Enthaftungsanträgen Folge, weil eine weitere Inhaftierung der Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen unangemessen gewesen wäre.

Facebook-Scharmützel als Ausgangspunkt

Jene Zeugen, die dem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Daniel Potmesil am Donnerstag Rede und Antwort standen, konnten nicht unbedingt Wesentliches zur Wahrheitsfindung beitragen. Die in die Schlägerei involvierten tschetschenischen Jugendlichen erinnerten sich teilweise weit weniger an die Vorgänge als noch vor der Polizei. "Bei einer Massenschlägerei kann man nicht wissen, wer gestochen hat", sagte einer von ihnen. Auf die Frage, ob er unter den Angeklagten den einen oder anderen Täter erkenne, meinte der Bursch mit Blick auf die Afghanen: "Die schauen alle gleich aus."

Ein anderer Zeuge erklärte: "Ich war zur falschen Zeit am falschen Ort." Er habe auch ein bisschen etwas abbekommen, es sei ihm aber gelungen, sich zu entfernen, bevor es hart auf hart ging. Er behauptete, er habe sich nachher bei seinen Freunden und Bekannten nicht informiert: "Ich wollte nicht fragen, was los war. Man sieht ja, was passiert ist."

An der Schlägerei, die in eine Messerstecherei ausartete, waren laut Anklage zumindest 30 Afghanen beteiligt, die im Unterschied zu den rund 25 Tschetschenen bewaffnet zu dem Treffen vor dem Jugendzentrum Base 20 in der Engerthstraße erschienen waren. Einige gingen mit Messern, Holzprügeln, Eisenstangen, Schraubenziehern, Ketten und Schlagringen auf die Gegner los, während die – an sich körperlich überlegenen – Tschetschenen mit Faustschlägen und Fußtritten dagegenhielten.

Ein 18-jähriger Tschetschene kassierte Stichwunden in Brust, Bauch und Leiste. Er überlebte dank einer im UKH Meidling durchgeführten Notoperation. Einem 15-Jährigen wurde ebenfalls in die Brust gestochen, einem 17-Jährigen ins Gesäß, wobei der Stichkanal bis zur Beckenschaufel führte und Schlagaderäste verletzte. Einem weiteren Jugendlichen wurde ein Stich in den Rücken zugefügt, der knapp die Wirbelsäule verfehlte.

Ausschlaggebend für die Schlägerei soll ein über Facebook ausgetragenes verbales Scharmützel zwischen einem 16-jährigen Afghanen und einem Tschetschenen gewesen sein. Schließlich trafen sich die zwei Kontrahenten mit Verstärkung zunächst in der Nähe der U6-Station Handelskai, wo es zu ersten tumultartigen Auseinandersetzungen kam. Ein paar Stunden später folgte vor dem Jugendzentrum der Showdown, wobei beide Gruppen weiter angewachsen waren. (APA, 22.12.2016)

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