Bereinigung des Fondsmarkts geht in nächste Runde

25. Dezember 2016, 08:00
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Die Fondsbranche konsolidiert sich nicht nur in Österreich, sondern europaweit. Die Folge ist ein sinkendes Produktangebot

Wien – Gestartet hat die Branche im Jahr 1956 mit nur einem Investmentfonds namens Selecta mit fünf Millionen Euro Volumen. Es folgte ein langer, steiler Aufstieg bis zur Finanzkrise. Seither stagniert der Fondsmarkt in Österreich nunmehr seit fast einer Dekade. Zuletzt kam es hierzulande zu Übernahmen und Zukäufen, die Fondsanzahl verringerte sich sukzessive. Jüngstes Beispiel: Der französische Fondsriese Amundi übernimmt den Mitbewerber Pioneer von Unicredit, das Österreich-Geschäft inbegriffen.

Was das für die heimische Branche bedeuten kann, lässt sich an der Übernahme der Volksbanken-Fondsgesellschaften durch die deutsche Union Investment skizzieren. Heuer wurde die Auflösung von elf ehemaligen Volksbanken-Fonds verlautbart. Vertriebspartner würden vor allem die in Luxemburg und Deutschland aufgelegten Fonds nachfragen, während es zu hohen Abflüssen aus jenen Fonds gekommen sei, welche die Österreich-Tochter anbiete, erklärt Union auf Anfrage. Die Folge: "Wir werden am Standort Wien zukünftig keine Wertpapierfonds mehr produzieren und administrieren." Sprich, Union-Produkte bleiben am heimischen Markt, das Management zuvor in Österreich verwalteter Produkte muss jedoch weichen.

Boutiquen für die Nischen

"Es hat eine Konsolidierung stattgefunden", bestätigt Heinz Bednar, Präsident des Branchenverbands VÖIG und Vorstandschef der Erste Asset Management. "Grundsätzlich findet der Prozess bei ausländischen Gesellschaften statt, das gilt für ganz Europa." Er sieht die Entwicklung langfristig darauf hinauslaufen, dass es neben einigen größeren Anbietern auch noch sogenannte Fondsboutiquen in Marktnischen geben wird. "Spezialisten für bestimmte Themen haben sicher eine Existenzberechtigung."

"Europaweit gibt es nach wie vor viel zu viele Fondsgesellschaften", meint Adam Lessing, Fidelity-Chef für Mittel- und Osteuropa. "Daher sorgt mich ein Konzentrationsprozess nicht." Aus seiner Sicht gibt es kaum eine Branche, die so stark von Fixkosten geprägt und dennoch so stark fragmentiert ist. Wie weit die laufende Marktbereinigung gehen wird? "Das ist ein langer Prozess. Aber eine wirklich starke Konzentration ist nicht zu erwarten."

Balance wird sich finden

Die Konkurrenz für klassische, aktiv verwaltete Fonds durch passive Anlageprodukte wie Exchance Traded Funds (ETF), die zumeist einen bestimmten Finanzindex nachbilden, sieht Lessing gelassen. Hinter dem Wachstum von ETF-Produkten sieht er hauptsächlich zwei Faktoren: Diese seien für Anleger geeignet, die schnell handelbare Fonds benötigten, sowie für Kunden, denen der reine Marktertrag gemessen am zugrundeliegenden Index reichen würde. Die Marktbalance zwischen aktiven und passiven Produkten wird sich aus Lessings Sicht bald finden: "Wir kommen an eine relative Grenze."

Ähnlich schätzt Bednar die Lage ein, der den ETF-Anbietern zwar einen gewissen Aufholbedarf einräumt, gleichzeitig aber nur begrenztes Marktpotenzial sieht: "Der normale Privatanleger wird ETF kaum brauchen." Zeit und Aufwand seien bei diesen Produkten zu hoch für Private, die mehrheitlich für langfristige Zwecke veranlagen würden.

Während die Anzahl klassischer Fonds in Österreich kontinuierlich abnimmt, steigt das Gesamtvolumen wieder an: Per Ende November lag dieses mit 165,4 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 1,7 Prozent im bisherigen Jahresverlauf, nur noch um zwei Milliarden unter dem Hoch von 2006. Bednar hofft auf einen starken Dezember, um das Jahr doch noch auf Rekordniveau zu beenden, räumt aber ein: "Das wird ein ziemlich knappes Rennen." (Alexander Hahn, 25.12.2016)

  • Auf früheren Wildwuchs bis zur Finanzkrise erfolgt in Österreichs Fondsbranche gewissermaßen das Reinemachen, im Bild symbolisch der Trading Floor der New Yorker Börse nach einer Handelssitzung.
    foto: richard drew

    Auf früheren Wildwuchs bis zur Finanzkrise erfolgt in Österreichs Fondsbranche gewissermaßen das Reinemachen, im Bild symbolisch der Trading Floor der New Yorker Börse nach einer Handelssitzung.

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