Windows 10 Mobile: Lumia-Aus als letzter Sargnagel

25. Jänner 2017, 12:18
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Keine Rettung durch Drittanbieter in Sicht – offenbar nur 2,5 Prozent aller Windows-Handys nicht von Microsoft

Mit einem globalen Marktanteil von unter einem Prozent rangiert Windows 10 Mobile nun bereits seit einiger Zeit unter der Kategorie "ferner liefen" am Smartphone-Markt. Mit dem Lumia 640, das im vergangenen Frühjahr auf den Markt gekommen ist, hat Microsoft die Herstellung eigener Handys aufgegeben. Vor kurzem wurde nun auch der Verkauf beendet.

Vereinzelt tauchten aber Modelle von Drittherstellern auf. Hewlett-Packard etwa stellte im Sommer das HP x3 Elite mit Flaggschiff-Spezifikationen vor. Doch wenn man den neuesten Zahlen von Adduplex glauben darf, dann waren diese Geräte nicht gerade große Gewinnbringer.

Adduplex ist ein Werbenetzwerk, das Entwickler auch in Windows Mobile-Apps einbinden können. Nach Angaben der Betreiber ist es in 5.000 Programme eingebunden. Teil der Erfassung sind die jeweiligen Gerätemodelle, auf deinen eine App installiert wird. Ausgewertet wurden alle über den gesamten Tag des 19. Dezember eingegangenen Daten.

Platzhirsch Lumia

Sieht man sich in diesem Datenbestand nur jene Geräte an, bei denen Windows 10 Mobile bereits vorinstalliert war, kommt die Microsoft Lumia-Reihe auf einen Anteil von 97,5 Prozent. Diese Eingrenzung erlaubt einen Blick auf die Windows-Smartphones, die vergangenes Jahr neu in den Verkauf gelangt sind. Die ersten Handys, auf denen der Nachfolger von Windows Phone 8 ab Werk lief, waren das Lumia 550 und Lumia 950 (XL) aus dem Spätherbst 2015, die in vielen Märkten aber erst 2016 verfügbar wurden.

Legt man die Adduplex-Zahlen auf Verkäufe um, haben sich Dritthersteller wie Acer, Alcatel und HP im letzten Jahr lediglich 2,5 Prozent des ohnehin kleinen Marktsegmentes aufgeteilt.

hp business

Brösel für die Dritthersteller

Hinsichtlich der verkauften Stückzahlen an Geräten lässt sich eine Schätzung aufstellen. Gemäß Berechnung von MS Poweruser hat Microsoft im ersten Halbjahr 2016 rund 3,52 Millionen Lumia-Handys verkaufen können. Laut dem Bericht für das dritte Quartal 2016 ist der Umsatz im Vorjahresvergleich um 72 Prozent eingebrochen. Für das dritte Quartal 2015 hat MS Poweruser 5,78 Millionen Lumia-Verkäufe ermittelt, heuer dürften es unter Berücksichtigung des Umsatzeinbruches also nur noch 1,62 Millionen Stück gewesen sein.

Zusammengerechnet hätte Microsoft in den ersten drei Quartalen von 2016 also rund 5,14 Millionen Windows-Phones verkauft. Wenn diese laut Adduplex 97,5 Prozent des Marktes einnehmen, konnten Dritthersteller im gleichen Zeitraum zusammen nur etwa 130.000 Geräte (die verbleibenden 2,5 Prozent) an die Kunden bringen. Das seit August verfügbare Elite x3 von Hewlett-Packard käme mit 0,3 Prozent Gesamtanteil am Windows Mobile-Segment folglich auf 15.600 Verkäufe bis Mitte Dezember.

Der WebStandard hat HP um Stellungnahme zu dieser Berechnung gebeten. Der Konzern erklärte jedoch, keine Angaben zu den Verkaufszahlen machen zu wollen.

Disclaimer

Da die Adduplex-Statistik nur auf einem Auswertungstag beruht und auch die Angaben von MS Poweruser aus Ableitungen bestehen (Microsoft selbst nennt schon länger keine Stückzahlen mehr), sind die Angaben natürlich nur als grobe Referenz geeignet. Hinzu kommt, dass die Aufstellung innerhalb des Windows Mobile-Segments zu Ende des dritten Quartals möglicherweise noch anders strukturiert war, als am 19. Dezember, zumal dazwischen etwa der Black Friday lag. Eine weitere Unschärfe ergibt sich durch die Umlegung von Umsätzen auf Verkaufszahlen.

foto: derstandard.at/pichler
Acers Jade Primo ist seit einem Jahr auf dem Markt. Pläne für einen Nachfolger gibt es derzeit keine.

Keine Perspektive für alternative Anbieter

Doch selbst unter Beachtung dieser Unsicherheiten lassen die Zahlen die Einschätzung zu, dass die Perspektive für Dritthersteller für Windows Phones schon länger alles andere als rosig sind. Selbst wenn man versucht, sich etwa auf Business-Nutzer zu fokussieren, wie HP mit dem Elite x3, dürfte das Geschäft mit den Geräten alleine nicht besonders ertragreich sein.

Mit Microsofts vollständigem Rückzug entsteht zwar theoretisch mehr Spielraum für andere Player, doch der wird vom drastisch sinkenden Interesse der Kundschaft relativiert. Vergleicht man die vorliegende Rechnung für die ersten drei Quartale mit 2015, so sind allein die Lumia-Verkäufe in einem Jahr um 81 Prozent eingebrochen.

Ernüchterung

Ein Blick auf das bestehende und zukünftige Angebot fördert Ernüchterndes zu Tage: Kein namhafter Hersteller hat in jüngerer Vergangenheit neue Windows-Smartphones angekündigt, manche Geräte der letzten Generation sind aber noch zu haben. Acer verkauft etwa noch das Jade Primo, das ebenfalls auf den Business-Markt zugeschnitten ist. Es ist vor einem Jahr auf den Markt gekommen, Pläne für einen Nachfolger gibt es aktuell nicht.

Dass Kunden aus dem Unternehmens- und Organisationsbereich, wie etwa die New Yorker Polizei, die Plattform in dieser Form auf lange Sicht erhalten können, erscheint fraglich. Microsoft könnte aber ohnehin einen neuen Pfad für das "mobile Windows" im Auge haben – denn man arbeitet fleißig daran, konventionelle Windows-Apps per Emulation auch auf Hardware für Handys und Tablets lauffähig zu machen. (gpi, 25.01.2017)

  • Bricht man die Zahlen von Adduplex auf Schätzungen der Windows-Phone-Verkaufszahlen hinab, so dürfte sich HPs Highend-Smartphone zwischen August und Dezember weniger als 20.000 Mal verkauft haben.
    foto: hp

    Bricht man die Zahlen von Adduplex auf Schätzungen der Windows-Phone-Verkaufszahlen hinab, so dürfte sich HPs Highend-Smartphone zwischen August und Dezember weniger als 20.000 Mal verkauft haben.

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