Forscher entwickelten Leitlinien gegen urbane Lichtverschmutzung

22. Dezember 2016, 12:06
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Europäisches Netzwerk "Verlust der Nacht" rät zur Vermeidung von kaltweißem Licht und nach oben gerichteten Spots zur Fassadenbeleuchtung

Wien – Straßenlampen, Lichterketten und Werbe-Displays erhellen zunehmend die Nächte. Ein internationales Forscherteam mit Beteiligung Wiener Astronomen hat nun Leitlinien für die Außenbeleuchtung veröffentlicht. Diese sollen dazu beitragen, Licht in Städten nachhaltiger einzusetzen und negative Folgen der Lichtverschmutzung für Mensch und Natur einzudämmen.

"Licht wirkt – auf Pflanzen und Tiere ebenso wie auf uns Menschen", erklärte die Koordinatorin des europäischen Netzwerks "Verlust der Nacht", Sibylle Schroer, vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Berlin. Künstliches Licht zur falschen Zeit könne die innere Uhr aus dem Takt bringen, die Hormonausschüttung beeinträchtigen oder ganze Ökosysteme nachhaltig verändern.

Nach unten leuchten

Das Netzwerk, dem auch der Wiener Astrophysiker Thomas Posch angehört, hat Handlungsempfehlungen veröffentlicht, um die nächtliche Erhellung einzudämmen. So empfehlen die Forscher eine Außenbeleuchtung mit einer Farbtemperatur von maximal 3.000 Kelvin. Kaltweiße LED und Energiesparlampen hingegen würden wegen des hohen Anteils an kurzwelligem, blauen Licht den Tag- und Nachtrhythmus von Tieren und Menschen besonders beeinträchtigen.

Weiters wird zu geeigneten Leuchten geraten, die verhindern, dass Licht direkt nach oben strahlt. "Licht sollte grundsätzlich nach unten leuchten, auch Fassadenbeleuchtung sollte immer von oben nach unten gerichtet sein", so Posch. Vermieden werden sollten vor allem in den Boden eingelassene Spots, die das Licht nach oben abstrahlen.

Dimmen bringt`s

Für Landstraßen empfehlen die Forscher wenn nötig eine Beleuchtung mit einer maximalen Leuchtdichte von 0,3 Candela pro Quadratmeter, was in etwa vier Lux entspricht. "EU-Normen empfehlen viel hellere Werte als sie momentan in den meisten Gemeinden bewährte Praxis sind", so Posch. Würden diese Normen europaweit implementiert, steige auch der Energieverbrauch und CO2-Ausstoß drastisch.

In der Nacht könne die Straßenbeleuchtung auch gedimmt werden. Die Experten gehen davon aus, dass die Beleuchtung um 50 bis 80 Prozent gesenkt werden könnte, wenn neben gedimmten Straßenlaternen nachts auch private Beleuchtung oder Werbe-Displays ausgeschaltet würden. In Wien werde ein Teil der vorgeschlagenen Maßnahmen seit Herbst dieses Jahres umgesetzt. (APA, 22. 12. 2016)

  • Stille Nacht, blendendes Licht...
    foto: apa/dpa/felix kästle

    Stille Nacht, blendendes Licht...

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