Tourengeher vs. Skifahrer: Konflikt auf der Piste

22. Dezember 2016, 12:44
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Die Standpunkte des Alpenvereins

Abseits der Skipisten sucht man den Schnee derzeit noch vergeblich. Die Tourengeher verlagern ihr Hobby daher zunehmend auf die präparierten und schneesicheren Pisten – was aufgrund des beschränkten Platzangebotes nicht überall gern gesehen wird. Der Österreichische Alpenverein (ÖAV) empfiehlt daher, sich an einige Grundregeln zu halten, um Konflikte mit Liftbetreibern und Skifahrern zu vermeiden.

"Wo vor einigen Jahren die Skitourensaison bereits in vollem Gange gewesen wäre, warten wir dieser Tage vergeblich auf den Niederschlag. Viele Tourengeher möchten dennoch nicht auf ihr Hobby verzichten und sehen sich gezwungen, auf die Pisten in den Skigebieten auszuweichen", erklärt Michael Larcher, Bergführer und Leiter der Bergsport-Abteilung im Alpenverein, in einer Aussendung. Auch ein gewisses Komfortbedürfnis sei nicht ganz abzustreiten – "schließlich ist eine Pistentour in der Regel weniger zeitaufwändig und weniger Gefahren ausgesetzt als eine Tour im freien Gelände".

Aufruf zur friedlichen Koexistenz

Wenn die Sportler nun zunehmend auf diese Alternative zurückgreifen, könnte es auf den Pisten eng werden. Der Alpenverein sieht daher jeden Einzelnen gefordert, um zu einer friedlichen Gemeinschaft von Tourengehern, Skifahrern und Skigebietsbetreibern beizutragen.

10 Regeln für Pistenskitouren

Der Alpenverein hat gemeinsam mit dem Kuratorium für Alpine Sicherheit zehn Verhaltensregeln für Pistengeher erarbeitet, die die Grundlage für ein konfliktfreies Miteinander darstellen:

  1. Warnhinweise sowie lokale Regelungen beachten.
  2. Der Sperre einer Piste oder eines Pistenteils Folge leisten.
  3. Nur am Pistenrand und hintereinander aufsteigen.
  4. Die Piste nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand zueinander queren.
  5. Frisch präparierte Pisten nur im Randbereich befahren.
  6. Bis 22.30 Uhr oder einer anderen vom Seilbahnunternehmen festgelegten Uhrzeit die Pisten verlassen.
  7. Sichtbar machen.
  8. Bei besonders für Pistentouren gewidmeten Aufstiegsrouten/Pisten nur diese benützen.
  9. Hunde nicht auf Pisten mitnehmen.
  10. Ausgewiesene Parkplätze benützen und allfällige Parkgebühren entrichten.

Das Verhalten auf der Piste ist für den ÖAV eine Frage des Hausverstands: "Wenn Tourengeher die Pisten zum Aufsteigen nutzen, sind viele Verhaltensregeln ohnehin eine Frage des Hausverstands: Etwa die Aufstiegsspur am Pistenrand anzulegen, Pisten nur an übersichtlichen Stellen zu queren und Sperren während der Pistenpräparierung zu beachten", sagt Larcher.

Schmales Band

Ein Sonderfall seien jene Skigebiete, in denen wirklich nur ein schmales Schneeband zur Verfügung steht: "Hier stellt sich die Frage, ob man die Ski nicht lieber gegen die Wanderschuhe tauscht, bevor man sich auf engstem Raum im Kunstschnee austobt. Wo die Pisten breit genug sind und entsprechend rücksichtsvoll aufgestiegen wird, sollten Tourengeher kein Problem darstellen", sagt Larcher, der sich gegen ein generelles Pistenverbot ausspricht.

"Ein generelles Pistenverbot für Tourengeher, so wie es manche Regionen im Vorjahr umgesetzt haben, ist definitiv keine Lösung mit Weitblick", kritisiert er. Solche Bestrebungen seien auch rechtlich umstritten: "Auch Pisten sind Naturraum, aus dem nicht einfach einzelne Personengruppen verbannt werden können. In Bayern etwa ist dieses Recht auf Naturgenuss sogar gesetzlich geschützt."

Lokale Lösungsmodelle

Positiv sieht der Alpenverein das Engagement in Modellregionen wie Innsbruck und Umgebung, wo Skigebiete ihre Pisten an ausgewählten Wochentagen für Abendtouren zur Verfügung stellen. "Solche Bestrebungen zur Konfliktlösung unterstützen wir und unsere Landesverbände gerne. Lokal lassen sich viele Lösungsmodelle erarbeiten", sagt Larcher.

Für den Ansatz, von Tourengehern angemessene Parkplatzgebühren einzuheben, zeigt der Alpenverein Verständnis. Tourengeher-Tickets oder gar den Kauf einer Tageskarte vorauszusetzen, würde aber definitiv weit über das Ziel hinausschießen. (red, 22.12.2016)

  • Die Skitourensaison spielt sich derzeit hauptsächlich auf präparierten Pisten ab.
    foto: alpenverein/mario zott

    Die Skitourensaison spielt sich derzeit hauptsächlich auf präparierten Pisten ab.

  • Die zehn Verhaltensregeln des Alpenvereins für Pistengeher sollen zu einem konfliktfreien Miteinander in den Skigebieten beitragen.
    foto: alpenverein

    Die zehn Verhaltensregeln des Alpenvereins für Pistengeher sollen zu einem konfliktfreien Miteinander in den Skigebieten beitragen.

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