Kein Großinvestor für Monte dei Paschi

22. Dezember 2016, 06:03
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Die italienische Krisenbank braucht bis Ende des Monats fünf Milliarden Euro frisches Kapital

Siena – Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) läuft auf der Suche nach frischem Kapital die Zeit davon. Das Traditionshaus erklärte am Mittwochabend, bisher keinen Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine große Last bei der laufenden Kapitalerhöhung schultert. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass der Staat rettend eingreifen muss. Der Ausverkauf bei den Aktien der Krisenbank setzte sich dann auch am Donnerstag fort: Sie stürzten zu Handelsbeginn um 6,8 Prozent auf ein neues Rekordtief von 14,71 Euro ab.

Der Chef des Konkurrenten Unicredit, Jean-Pierre Mustier, rechnet indes mit einem guten Ende. Die Krise hänge auch damit zusammen, dass die Regierung den Instituten anders als in Spanien und in Portugal nicht unter die Arme gegriffen habe. "Aber ich bin extrem zuversichtlich, dass es eine Lösung für Italiens Banken gibt", sagte Mustier dem "Handelsblatt" vom Donnerstag. Mustier, der seiner Bank erst vor kurzem eine Rosskur verordnet hatte, nannte keine weiteren Details, geht aber von einer "konstruktiven Lösung im besten Sinne der gesamten Bankbranche" aus.

Monte dei Paschi ächzt unter einem Berg fauler Kredite, die nun teils abgestoßen werden sollen. Damit der Bank dieser Kraftakt gelingt, muss sie bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro frisches Kapital aufnehmen. Ein Umtausch von Anleihen in Aktien steuert nach Angaben von Monte dei Paschi 2,06 Milliarden Euro an Kapital zu dem Rettungspaket bei. Zudem werden neue Aktien an Investoren verkauft. Diese Kapitalerhöhung sollte an diesem Donnerstag enden. Experten rechnen nicht damit, dass Monte dei Paschi die nötige Summe zusammenbekommt.

Geld geht früher aus

Am Mittwoch hatte die Bank erklärt, dass ihr das Geld früher ausgehe als gedacht. Die flüssigen Mittel könnten nur noch für vier Monate reichen, hieß es in einer Kapitalmarkt-Mitteilung. Bisher hatte das schwer angeschlagene Geldhaus aus Siena angegeben, dass das Geld noch für elf Monate ausreiche. Zum Stichtag 16. Dezember hatte Monte dei Paschi 10,6 Milliarden Euro an Liquidität.

Am Mittwoch war die Aktie der Bank um zwölf Prozent abgesackt. Donnerstagfrüh sackten die Aktien zunächst um 6,8 Prozent ab, erholen sich dann aber und standen mit 4,3 Prozent im Plus. Bis Mittwoch war das Papier im gesamten Jahr um 87 Prozent abgestürzt – die Bank ist damit an der Börse keine halbe Milliarde Euro mehr wert.

Bei der Suche nach einem Ankerinvestor hatten die Hoffnungen auf Katars Staatsfonds gelegen. Dieser habe jedoch keine Aktien abgenommen, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Andere Investoren hätten ihre Investition davon abhängig gemacht, dass es einen Ankerinvestor gebe.

Die Zeitung "La Stampa" schrieb, das Kabinett könnte schon am Donnerstagabend tagen, um die Bank zu retten. Erst am Vortag hatte das Parlament die Aufnahme neuer Staatsschulden in Höhe von 20 Milliarden Euro gebilligt, um Monte dei Paschi und andere Krisenbanken notfalls stützen zu können. Die italienische Finanzbranche leidet unter der schwachen Wirtschaft im Land, weshalb viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen können. (APA, Reuters, 22.12.2016)

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