Biathlon-Bewerbe in Russland absagen

21. Dezember 2016, 23:17
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Verbands-Präsident Hamza: Weltcup in Tjumen sinnlos, "Sportler werden nicht hinfahren"

Prag – Wegen der Dopingaffäre um die russischen Biathleten fordert der tschechische Verband (CSB), künftig keine Wettbewerbe mehr in Russland auszutragen. Das habe man beim Internationalen Biathlonverband (IBU) auch schriftlich beantragt, sagte CSB-Generalsekretärin Eva Kupilikova am Mittwoch. Alle in Russland geplanten internationalen Biathlon-Veranstaltungen müssten sofort abgesagt und an andere Länder vergeben werden.

CSB-Präsident Jiri Hamza hatte zuvor in Interviews noch deutlichere Worte gefunden: Es habe gar keinen Sinn mehr, den Weltcup im März im russischen Tjumen vorzubereiten, "weil die Sportler dort ohnehin nicht hinfahren werden. Die tschechischen jedenfalls nicht." Er sei sicher, dass auch andere Nationen diesen Bewerb in der sibirischen WM-Stadt 2021 boykottieren würden, wenn sich der Weltverband weiterhin um Sanktionen gegen Russland drücke.

Formell beschlossen sei ein Boykott durch die tschechische Equipe um Gesamtweltcupsiegerin Gabriela Koukalova aber noch nicht, sagte Kupilikova. Man warte vorerst noch auf eine Antwort der IBU und hoffe, dass der Weltcup gar nicht in Russland stattfinden werde. Der IBU-Vorstand beschäftigt sich am Donnerstag mit den Vorwürfen aus dem McLaren-Report gegen die Russen. 31 Doping-Fälle wurden dort genannt.

Das britische Team hat seine Teilnahme in Tjumen bereits abgesagt. Die Entscheidung sei die Konsequenz aus den "Gehirn gewaschenen, verblendeten und unehrlichen Kommentaren" der russischen Weltcup-Biathleten, dass es im McLaren-Report um Politik und nicht um Sport gehe.

Sibirische WM 2021

Der Weltverband steht unter enormem Druck. Nach dem Weltcup im Frühjahr steht im westsibirischen Erdölzentrum Tjumen 2021 auch eine WM auf dem Programm. Viele fordern hinter vorgehaltener Hand eine Verlegung nach Vorbild des Bob- und Skeleton-Weltverbandes IBSF, der Sotschi erst am Montag die WM 2017 entzogen hatte.

"Wenn der Verband nicht genügend Mut zur Bewältigung des Problems hat, müssen die Athleten selbst aktiv werden", hatte Martin Fourcade, der Dominator der Szene, kürzlich gemeint. Zehn WM-Titel und fünf Gesamtweltcupsiege hat der Doppel-Olympiasieger aus Frankreich in den vergangenen Jahren kumuliert. Auch wenn er sich gegen Kollektivstrafen aussprach und (noch) nicht an einen Tjumen-Boykott denkt, so hat der 28-Jährige ein großes Ziel: sein Sport soll sauber sein, denn Dopingsünder würden schaden allen.

Mit Spannung wird erwartet, welche Richtung die IBU zwei Tage vor dem Heiligen Abend vorgibt. Eine Expertengruppe mit Mitgliedern aus fünf Nationen wurde eingesetzt, um die 31 bekannten Fälle zu prüfen und anschließend an den Vorstand zu berichtet. Vom Vorschlag "einschlägiger Disziplinarmaßnahmen" war die Rede. "Wenn man sich für Sperren entscheidet, werden die betroffenen Sportler noch vor dem nächsten Weltcup Anfang Januar in Oberhof gesperrt", sagte IBU-Präsident Anders Besseberg.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, droht der Entzug der Junioren-WM im Februar in Ostrow. "Wir wissen, dass es genügend andere Kandidaten gibt, die diese Veranstaltungen austragen würden. Das ist zeitlich kein Problem", sagte Besseberg.

Russen wissen von nichts

Russlands Verband RBU wiederum gibt an, nicht darüber informiert sein, welche seiner Sportler des Dopings beschuldigt seien. Man betont stattdessen vehement eine Null-Toleranz-Politik. "Wir kennen die Namen der Sportler nicht, die von unseren Kollegen von der IBU diskutiert werden. Wir sind aber bereit, sie mit umfassenden Informationen über jeden RBU-Athleten zu versorgen, der je an einer Biathlon-Veranstaltung teilgenommen hat", hieß es in einer Mitteilung. (APA, sid, red, 21.12. 2016)

  • Zuletzt gastierten die Biathlon-Stars um Martin Fourcade im tschechischen Nove Mesto.
    foto: apa/afp/cizek

    Zuletzt gastierten die Biathlon-Stars um Martin Fourcade im tschechischen Nove Mesto.

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