Was ein Fischer so alles aus der Tiefsee heraufholt

24. Dezember 2016, 11:00
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Der russische Tiefseefischer Roman Fedortsow hat seit acht Monaten einen Twitter-Account und postet dort seine interessantesten Beifänge

foto: roman fedortsow

In schöner Regelmäßigkeit liest man, wie unerforscht und fremdartig doch die Ozeane seien. Dies wird gerne mit der Behauptung illustriert, dass erst 5 Prozent der Meeresböden kartografisch einigermaßen detailgenau erfasst wurden und wir die Mond- oder Marsoberfläche daher besser kennen würden als die Tiefsee.

Jounalistische Übertreibungen? Ganz im Gegenteil: Die Ozeanböden sind zwar durchaus in ihrer Gesamtheit kartografiert, allerdings mit einer Maximalauflösung, die nichts erkennen lässt, das kleiner ist als fünf Kilometer. Nimmt man alle Regionen zusammen, die bisher genauer erkundet und mit einer höheren Auflösung erfasst wurden, kommt man auf höchstens 0,05 Prozent des Meeresbodens. Mit anderen Worten: Von Mars und Mond gibt es tatsächlich bessere Karten als vom Grund der Ozeane.

Kein Wunder also, dass uns die dunklen Tiefen jenseits der Festlandsockel vorkommen, wie fremde Planeten – Welten allerdings, in denen es von bizarren Lebensformen nur so wimmelt. Roman Fedortsow kann davon die eine oder andere Geschichte erzählen. Der russische Tiefseefischer aus Murmansk auf der Halbinsel Kola hat auf seinen Fangfahrten über das Nordpolarmeer und den Atlantik schon so manches "Ungetüm" an Bord gezogen.

Dass es sich dabei nicht um Seemannsgarn handelt, beweist er auf seiner Twitterseite, die er sich im Mai dieses Jahres eingerichtet hat. Die dort versammelten Aufnahmen von Meereslebewesen lassen einen nicht nur schaudern, sondern führen auch unwillkürlich zu der Frage, was dort unten noch alles lauern könnte.

Zerstörte Tiefsee

Die Bilder illustrieren darüber hinaus einen anderen, wesentlich realeren Horror, immerhin sind die darauf abgebildeten Tiere kommerziell unerwünschte Opfer einer höchst umstrittenen Form der Fischerei: Beim Tiefseefischen ziehen riesige Schleppnetze regelrechte Schneisen in die Ökosysteme des Meeresgrunds. Zurück bleiben oft mehrere Quadratkilometer große, leblose Wüsten. Mit der heutigen Technik lassen sich bis zu 2.000 Meter tief liegende Meeresböden abernten. Der Beifang beträgt oft 80 bis 90 Prozent.

Wer sich nicht durch Fedortsows Twitter-Account scrollen will, der findet auf "Gizmodo" oder der "Moscow Times" eine Auswahl der bemerkenswertesten Lebewesen:

--> Twitter: Роман Федорцов

--> Gismodo: This Deep Sea Fisherman Posts His Discoveries on Twitter

--> The Moscow Times: Russian Deep-Sea Fisher Shares His Monster Discoveries on Twitter

(tberg, 24.12.2016)

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