Experte: "Last Minute nicht automatisch günstiger"

Interview22. Dezember 2016, 12:00
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Falk Murko, Reiseexperte der Stiftung Warentest, zeigt Fallen bei Buchungen auf

STANDARD: Reisen in Zeiten von Terror, Gewalt und politischer Umbrüche – worauf sollte man achten, was sollte man tun?

Murko: Wer unsicher ist, sollte die Website des Außenministeriums konsultieren. Dort gibt es Reisewarnungen und Hinweise, wie man sich verhalten und welche Gegenden man besser meiden sollte. Dort findet man auch Informationen zu Gesundheitsprophylaxe, etwa über Gebiete mit Malaria. Polizei und Sicherheitskräfte empfehlen generell, Massenansammlungen zu meiden und insgesamt wachsam zu sein.

STANDARD: Wie kann man sich sonst noch vor bösen Überraschungen im Urlaub schützen?

Murko: Man sollte möglichst früh mit der Planung beginnen und überlegen, welche Art von Urlaub man machen möchte. Heutzutage gibt es vielfältigste Möglichkeiten, sich zu informieren. Man kann Preisvergleiche machen, Reiseberichte lesen, Reisevideos ansehen und vieles mehr.

STANDARD: Wie ist es generell um Last-Minute-Angebote bestellt?

Murko: Wer flexibel ist, bekommt meist einigermaßen passable Angebote. Wer aber genaue Vorstellungen hat, wann es wohin gehen soll im Urlaub, läuft Gefahr, nichts Passendes zu finden. Das gilt speziell für Familien in Ferienzeiten,

STANDARD: Um wie viel ist Last Minute in der Regel günstiger als vergleichbare Katalogangebote?

Murko: Anders als früher ist Last Minute nicht mehr automatisch billiger. Wir hatten in einer Untersuchung sogar Beispiele, wo Last-Minute-Angebote teurer waren. Bei attraktiven Zielen gibt es oft nur kleine Preisabschläge, zehn Prozent sind dann oft schon viel. Es gibt aber auch Angebote, die sensationell günstig sind. Das kann man aber nie voraussagen, weil es immer von der Buchungssituation abhängt.

STANDARD: Welche Ziele sind in nächster Zeit besonders günstig?

Murko: Griechenland war attraktiv und ist es wieder. Besonders günstig ist auch Bulgarien. Das gilt auch für Tunesien und Ägypten. Beide Länder sind wieder im Kommen. Die Türkei ist zwar weiterhin günstig, hat aber unter den Anschlägen stark gelitten und ist ziemlich eingebrochen. Die Touristenströme sind von den Veranstaltern schon im Sommer überwiegend nach Spanien umgeleitet worden. Dadurch ist Spanien jetzt nicht mehr so attraktiv wie vorher.

STANDARD: Gibt es Unterschiede zwischen Flugpreisen im Reisebüro, bei Airlines oder im Internet?

Murko: Wir empfehlen, spezialisierte Portale wie Swoodoo, Kajak oder Google Flights zu konsultieren und Preise zu vergleichen. Dann die Airline aussuchen, die der eigenen Vorstellung am nächsten kommt, und statt bei einem dazwischengeschalteten Onlinereisebüro direkt buchen. Sonst kann es teurer werden.

STANDARD: Wie kann man bei der Wahl des passenden Hotels sparen?

Murko: Auch da gibt es viele Vergleichsmöglichkeiten, zum Beispiel Trivago. Da kann man sich einen Überblick verschaffen, welche Hotels es im Zielgebiet gibt und was sie kosten. Als nächsten Schritt kann man große Hotelportale wie booking.com oder HRS konsultieren. Manchmal stechen auch einzelne Reiseveranstalter mit günstigen Hotelpreisen heraus. Wer es wirklich günstig haben will, kommt nicht darum herum, verschiedene Portale anzusteuern und Preise zu vergleichen. Man sollte aber auch kontrollieren, was eine Direktbuchung im Hotel kostet, mitunter kann die sogar billiger sein.

STANDARD: Welche Rolle spielen Discounter wie Hofer, Lidl oder Tschibo?

Murko: Das sind Vertriebskanäle, die mit der Durchführung der Reise nichts zu tun haben. Diese Arrangements sind generell nicht teuer, sind aber auch nicht immer die absolut günstigsten.

STANDARD: Gibt es weitere Tricks, ohne Abstriche bei der Leistung Geld zu sparen?

Murko: Zum Beispiel den Suchzeitraum ausweiten und statt des ursprünglich ins Auge gefassten Abflugtermins eine Woche früher oder später einen passenden Flug suchen. Manchmal empfiehlt sich auch, die Suche auf andere, gut erreichbare Flughäfen auszudehnen. Flüge könne von dort mitunter deutlich günstiger sein, weil in dem anderen Bundesland oder Staat zum Beispiel gerade keine Ferien sind.

STANDARD: Und wenn man mit den Leistungen nicht zufrieden ist?

Murko: Sofort reklamieren und auf Abhilfe drängen. Gibt es kein besseres Zimmer, das frei ist und bezogen werden kann, soll man sich das unbedingt bestätigen lassen. Nach dem Urlaub dann binnen vier Wochen reklamieren und einen Preisnachlass fordern. (Günther Strobl, 22.12.2016)

Falk Murko (63) ist Reiseexperte bei der Stiftung Warentest, einer der größten unabhängigen Verbraucherorganisationen weltweit. Die Stiftung hat ihren Sitz in Berlin.

Link zu Reisewarnungen

  • Ein Last-Minute-Trip zu Weihnachten kann ins Geld gehen.
    foto: afp/sonny tumbelaka

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