Österreichs Mittelschicht wächst und leidet

21. Dezember 2016, 18:02
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Während der Anteil der Topverdiener am Einkommenskuchen wächst, tritt die Mittelschicht auf der Stelle

Wien – In Österreich wird eine schon länger konstatierte Entwicklung durch die jüngste Lohnsteuerstatistik einigermaßen bestätigt: Die Mittelschicht entwickelt sich nicht allzu rosig, zumindest gemessen an den Einkommen. Die Statistik Austria hat dazu am Mittwoch einen Vergleich der Bruttobezüge von 2009 und 2015 veröffentlicht. Grob zusammengefasst geht daraus hervor: Die Gruppe der unteren Einkommen ist geschrumpft; die Topverdiener werden zwar kaum mehr, verzeichnen aber einigermaßen ansehnliche finanzielle Zuwächse; die Mittelschicht wächst von der Zahl der ihr Angehörigen zwar am stärksten, hier ist die Einkommensentwicklung aber dürftig.

Die Statistik Austria hat die Unselbstständigen und Pensionisten in drei Gruppen zerlegt: jene bis 20.000 Euro Jahresbrutto, dann die mittlere Kategorie bis 70.000 und dann jene Personen, die mehr als diesen Betrag verdienen. Im untersten Drittel ist die Entwicklung ziemlich dynamisch: Von jenen, die bereits 2009 in der Statistik erfasst waren, schaffte ein Drittel den Sprung über die Schwelle von 20.000 Euro Jahresbrutto und damit in die Mittelschicht. Insgesamt ist die Gruppe der Niedrigverdiener beziehungsweise deren Anteil an allen Steuerpflichtigen seit 2009 um 4,8 Prozent geschrumpft. Das widerspricht einer These, wonach am Arbeitsmarkt zusehends "Billigjobs" gefragt seien.

Weil die geringen Einkommen zumindest nominal zulegen, wächst die Mittelschicht, deren Anteil um 3,6 Prozent auf knapp die Hälfte aller erfassten Personen angestiegen ist. Das Problem, das die Mitglieder dieser Gruppe teilen: Ihr Anteil an den Bruttogehältern ist trotz ihres zahlenmäßigen Wachstums nur vernachlässigbar nach oben gegangen.

Wieder anders stellt sich die Situation bei den Topverdienern dar, deren Zahl mit 1,2 Prozent nur halb so stark wächst wie ihr Anteil an allen Bruttogehältern. Ihr Einkommen ist somit relativ zu den anderen Verdienstklassen gestiegen. Anders ausgedrückt: 4,8 Prozent der Österreicher kamen 2015 auf 19 Prozent der Bezüge. 2009 lag der Anteil der Personen mit Einkommen von mehr als 70.000 Euro noch bei 3,7 Prozent, jener an den Zuflüssen bei 15,8 Prozent. Zum Vergleich der Anteil der untersten Einkommengruppe: Ihr gehören 46 Prozent der Österreicher an, ihr Kuchen an allen Bruttobezügen liegt aber nur bei 15,2 Prozent.

36 Prozent mehr Lohnsteuer

Die Statistik bestätigt auch einen anderen seit längerem bekannten Trend eindrucksvoll: Es bleibt immer weniger vom Brutto. Die Bezüge vor Abgaben von allen Österreichern sind seit 2009 um 20,5 Prozent gestiegen. Die Sozialversicherungsbeiträge wuchsen allerdings mit einem Plus von 22,2 Prozent ebenso stärker wie die Lohnsteuer, die sogar um 36 Prozent zulegte. Heuer soll die Lohnsteuer um neun Prozent zurückgehen. Ob dieser Wert auch Realität geworden sein wird, kann man dann in einem Jahr der Lohnsteuerstatistik für 2016 entnehmen. (as, 21.12.2016)

  • Die Lohnsteuer wächst viel stärker als das Bruttoeinkommen.
    foto: istock

    Die Lohnsteuer wächst viel stärker als das Bruttoeinkommen.

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