2017 geht es um News-Anteile – und um "Profil"

22. Dezember 2016, 07:00
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Mehrheitseigner Pirker hat eine Option auf 25,3 News-Prozent des "Kurier". Der Kauf würde die Verbindung zur Mediaprint trennen

Wien – Profil zurück zum Kurier? Kurier raus aus der Verlagsgruppe News? Das würde die seit 2001 bestehende Verbindung des Zeitungsmarktbeherrschers Mediaprint mit dem Magazinmarktbeherrscher News kappen.

Vor solchen Fragen stehen News-Mehrheitseigner Horst Pirker und Gesellschafter Kurier 2017. Anno 2018 kann Pirker nach unbestätigten Infos des STANDARD eine Call-Option aus 2001 ziehen und die 25,3 Prozent des Kurier an der News-Gruppe übernehmen.

Ein günstiges Viertel

Der Kaufpreis für ein Viertel der Anteile wäre laut Option günstig. Er bemisst sich nach Ergebnissen vergangener Geschäftsjahre. 2014 schloss die News-Gruppe mit 5,4 Millionen Euro Jahresverlust ab. 2015 mit knapp zehn Millionen Euro Minus. Auch 2016 dürfte unter Null liegen.

Pirker, lange Vorstandschef des Grazer Medienkonzerns Styria, dann des Red Bull Media House und des Grazer Entsorgungsunternehmens Saubermacher wurde 2014 Geschäftsführer der News-Gruppe. Kolportiert als letzte Hoffnung des damaligen Mehrheitseigentümers Gruner+Jahr für die inzwischen heruntergewirtschaftete Verlagsgruppe.

Zwei Jahre später verabschiedete sich der Hamburger Magazinkonzern: Seine 56 Prozent an der News-Gruppe gingen an Pirker – mit kolportiert mehr als 15 Millionen Zuschuss, da die Gesellschafter Gewinne alle Jahre komplett entnommen hätten.

Gruner+Jahr schoss alleine zu: Die Gründerfamilie Fellner (Österreich) hat seit 2006 eine reine Finanzbeteiligung (rund 18,7 Prozent) am News-Konzern. Auch der Kurier zahlte nicht ein.

Zahlen, bitte

Bei den Verhandlungen über die Kurier-Anteile könnte dieser Nachschuss wieder aufs Tapet kommen. Bleibt der Kurier beim Nein, könnte das Pirker wohl motivieren, die Option zu ziehen und auf gut 80 Prozent aufstocken.

Der Kurier hält seit 2001 25,3 Prozent. Damals brachte Mediaprint-Miteigentümer Kurier – mit dem umstrittenen Segen von Kartellgericht und schwarz-blauer Regierung – seine Magazine um Profil und Trend in die marktbeherrschende News-Gruppe ein. Seither gibt es die Option.

Im Sommer 2016 überrumpelte Pirker die Kurier-Eigentümer Raiffeisen und Funke-Gruppe mit der Übernahme der News-Mehrheit. Auch der Kurier hätte sich für mehr News-Anteile interessiert, heißt es, vor allem aber für Profil.

2017 wird verhandelt

Darüber werden Pirker und Kurier 2017 reden: Bevor Pirker die Option zieht, "sind Gespräche vereinbart", sagt ein maßgeblicher Raiffeisenmann. Ziel offenbar weiter: Profil aus der News-Gruppe herauszulösen. Womöglich im Tausch gegen die Anteile. Pirker soll dazu nur trocken abwinken und auf die Preisbildung laut Option verweisen.

Offiziell verweist Raiffeisen auf STANDARD-Anfrage auf Kurier-Manager Thomas Kralinger, der reagiert nicht auf Anfragen. Pirker antwortet auf Fragen zum Thema schriftlich – und ausweichend: "Die Vertragsinhalte sind vertraulich, aber ganz unabhängig davon gibt es in absehbarer Zeit keinen Handlungsbedarf, welcher Art auch immer."

Es gebe "keine Option, die ich oder sonst wer in absehbarer Zeit ziehen könnte", erklärt Pirker. Und: "Profil bleibt in der Verlagsgruppe News, ebenso wie Trend und alle anderen Magazine der Gruppe." Pirkers "grundsätzlicher Zugang": "Mit der Kurier -Gruppe in die Zukunft zu gehen. Das liegt aber nicht nur in meiner Hand, sondern bedarf einer gemeinsamen Sicht beider Seiten." (fid, 22.12.2016)

  • Die News-Gruppe im Morgengrauen.
    foto: red

    Die News-Gruppe im Morgengrauen.

  • Artikelbild
    foto: apa/herbert neubauer
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