Innsbruck: Immobilientausch im großen Stil mit Haken

21. Dezember 2016, 18:08
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Land, Stadt und ein Hotelier arbeiten an einem Tauschgeschäft rund um das Hilton Hotel. Die Opposition weiß nichts darüber und ist empört

Innsbruck – Herzstück des abenteuerlichen Tauschgeschäfts ist das markante Hochhaus in der Innsbrucker Innenstadt, in dem derzeit das Hilton Hotel untergebracht ist. Der Turm, der Anfang der 1970er-Jahre für die Olympischen Spiele errichtet worden ist, gilt als Bausünde. Die Liegenschaft, auf der das Gebäude steht, ist im Besitz der Stadt Innsbruck, der Hotelturm darauf gehört wiederum dem Innsbrucker Hotelier Klaus Stiebleichinger.

Landeshauptmann Platter wollte den in die Jahre gekommenen Turm nun zum Tirol Haus umbauen. Dort sollten die Tirol Werbung, die Standortagentur und das Agrarmarketing ihr neues Heim finden. Damit wären relevante Landeseinrichtungen örtlich vereint. Denn direkt neben und vor dem Turm befinden sich Landhaus 1 und Landhaus 2, wo die restliche Verwaltung logiert.

Für diesen Plan wurde ein riesiges Tauschgeschäft erdacht: Stiebleichinger erhält für den Hotelturm drei Stockwerke des Management Center Innsbruck (MCI) vom Land Tirol. Das liegt direkt neben seinem Hotel Grauer Bär beim Sowi-Uni-Campus. Das MCI erhält in Bälde einen neuen Standort, wodurch die drei Stockwerke frei werden.

Hotel als Büro ungeeignet

Die Stadt Innsbruck wiederum erhält vom Land Tirol für die Liegenschaft das 2500 Quadratmeter große Gebäude in der Herrengasse, in dem derzeit die Landesbaudirektion untergebracht ist. Dieses historische Haus liegt direkt beim Kongresszentrum und soll zum Kongresshotel werden, das Innsbruck noch fehlt, bestätigt der für die Stadtplanung zuständige Stadtrat Gerhard Fritz (Grüne) gegenüber dem Standard.

Doch der Deal hat einen großen Haken. Platter kündigte an, den Hotelturm stehenlassen zu wollen. Dieser werde ausgehöhlt und die Fassade erneuert, das Grundgerüst bleibe jedoch. Nun hat aber das Arbeitsinspektorat festgestellt, dass die Raumhöhe des Hotelbaus zu niedrig ist. Beamte des öffentlichen Dienstes dürften dort arbeiten, Privatangestellte jedoch nicht, besagt das Arbeitsrecht. Und genau das würde etwa auf die Tirol Werbung zutreffen.

Den geplanten Tausch will man dennoch nicht aufgeben. Und so laufen aktuell intensive Gespräche mit den Casinos Austria. Denn an den Hotelturm angeschlossen ist ein Casinogebäude, dessen Vorplatz und zudem das sogenannte Haus der Industrie. An deren Stelle will man nun, so Stadtrat Fritz, das Landhaus 3 errichten. Der Hotelturm soll indes zu einem modernen Großhotel umgebaut werden und ebenfalls erhalten bleiben.

Opposition in Rage

Die Opposition weiß von diesen Plänen nichts und ist dementsprechend in Rage. Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz hat bereits zwei Anfragen an den Landeshauptmann gestellt: "Die erste wurde zurückgewiesen, die zweite hätte bis zum heutigen Mittwoch beantwortet werden müssen." Bis Redaktionsschluss lag keine Anfragebeantwortung vor. Auch SPÖ, FPÖ und Impuls Tirol haben vergangene Woche im Rahmen einer Pressekonferenz mehr Transparenz gefordert. FPÖ-Mandatar Rudi Federspiel plädierte für einen Abriss des Hotelturms und einen Neubau. Er habe selbst 20 Jahre lang in diesem Gebäude ein Büro gemietet und wisse um die Bausubstanz. Tatsächlich wird gemunkelt, der 1970er-Bau könnte asbestverseucht sein.

Im Landesbudget 2017/2018 sind vorerst 5,7 Millionen Euro für das Projekt reserviert. Diese Summe sei jedoch nur als Vorsorge zu verstehen und werde der Projektentwicklung angepasst. (Steffen Arora, 21.12.2016)

  • Ein Innsbrucker Immobiliendeal erzürnt die Oppositionsparteien.
    foto: reuters/dominic ebenbichler

    Ein Innsbrucker Immobiliendeal erzürnt die Oppositionsparteien.

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