Bei uns ist vier Monate lang Weihnachten

    24. Dezember 2016, 09:00
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    Der Weihnachtsfan Poldi Eder lebt vier Monate des Jahres in einer weihnachtlich dekorierten Wohnung

    In der Wohnung von Poldi Eder und seinem Ehemann in St. Pölten ist seit September Weihnachten. Wenn Lichterketten und blinkende Christbäume im Jänner verräumt werden, ziehen wieder die Buddhas ein.

    "Wir wohnen schon seit 22 Jahren in dieser Wohnung. Vor sieben Jahren haben wir sie gekauft. Das war für uns ein Neustart: Wir haben damals eine Zwischenwand herausgerissen und einen großen Wohn-Ess-Bereich geschaffen. Jetzt schaut die Wohnung viel größer aus als die 50 m², die sie eigentlich misst.

    foto: pilo pichler
    Poldi Eder (vorne), sein Ehemann Peter und der Kater Santa in ihrer Wohnung in St. Pölten. Plüschtier Bärli war einst Weihnachtsgeschenk und sitzt nun jedes Jahr im Christbaum.

    Damals haben wir auch damit angefangen, die Wohnung weihnachtlich zu dekorieren. Mittlerweile beginnen wir schon Ende September damit, die Lichterketten anzubringen. Dafür werden die Buddhas, die hier sonst stehen, verbannt. Zu Halloween ist dann alles fertig. Bei uns ist fast vier Monate lang Weihnachten.

    Auch wenn uns das nie jemand glaubt: Unsere Stromrechnung ist nicht so astronomisch. Ich schalte die Lichter ja erst an, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Das dauert etwa eine halbe Stunde. Was aber wirklich teuer ist, sind die Batterien. Letztes Jahr musste ich die insgesamt über hundert Batterien fünfmal austauschen.

    foto: pilo pichler

    Im ersten Jahr haben wir 3000 Euro für Weihnachtsdekoration ausgegeben. Letztes Jahr haben wir dann gesagt, dass wir heuer nichts mehr brauchen. Am Ende haben wir aber wieder um mehr als 1000 Euro eingekauft – die Kerzen, den Schneemann, die Rentiere. Ich glaube, ich habe heuer alleine 3000 Kugeln gekauft. Da haut's mir immer ein bisschen den Vogel raus. Unser Kellerabteil ist ein richtiges Kugellager. Damit könnten wir sicher noch 50 Wohnungen dekorieren. Ich habe mittlerweile auch schon Angebote bekommen, das professionell zu machen. Aber das würde mich stressen.

    Was jedes Jahr dabei ist: mein Bärli. Das habe ich vor 25 Jahren als erstes Weihnachtsgeschenk von Peter bekommen, und das sitzt jedes Jahr im Christbaum. In unserer Wohnung gibt es übrigens Santa Claus und das Christkind. Ich finde es schade, wenn die Leute nicht akzeptieren können, dass es beide gibt. Unsere fünf Katzen, mit denen wir hier wohnen, sind total brav. Unser Kater Santa zum Beispiel schläft immer beim Rentier im Schnee. Und Clause krabbelt in den Christbaum hinein.

    fotos: pilo pichler

    Unser Umfeld ist begeistert von unserer Wohnung. Letztes Jahr hatten wir den ganzen Advent jeden Tag Besuch. Manchmal habe ich den Gästen die Weihnachtsgeschichte vorgelesen und gesagt: "Leute, rufts euch mal in Erinnerung, warum wir überhaupt Weihnachten feiern." Ich bin nicht superreligiös, aber für uns steckt schon etwas dahinter. Heuer haben wir die Besuche ein bisschen eingeschränkt. Auch das Keksebacken habe ich reduziert. Vor zwei Jahren waren es noch 32 Sorten.

    Sie merken: Ich bin der Weihnachtsfreak in unserer Beziehung, und ich bin Peter sehr dankbar, dass er mich so unterstützt. Er ist eher für das Technische zuständig, ich übernehme die Feinarbeiten. Unser Schlafzimmer ist weihnachtsfreie Zone, dort ist nicht einmal weihnachtliche Bettwäsche erlaubt. Man braucht auch einen Rückzugsort.

    fotos: pilo pichler

    Ich habe Weihnachten schon als Kind geliebt. Wir durften den Baum vorher nicht sehen, und dann hat plötzlich das Glockerl geläutet. Alles war schön dekoriert, und meine Oma ist zu Besuch gekommen. Weihnachten fasziniert mich: die Lichter, die Stimmung, die Musik, das Rundherum. Die Leute sagen oft: Ich bin nicht in Weihnachtsstimmung. Ich sag dann: "Ihr seid selber schuld, wenn ihr euch die Stimmung nicht selber macht."

    Letztes Jahr haben wir den Christbaum erst am 24. geschmückt – aber weil auch der Baum bei uns eher aufwendig ist, hat das am Ende von 8 Uhr morgens bis sechs Uhr abends gedauert. Das war zum Schluss nicht mehr lustig. Heuer haben wir das am 23. Dezember erledigt.

    Am 24. sind wir immer bei Freunden. Wenn wir dann nach Hause kommen, ist das ein komisches Gefühl, weil Weihnachten vorbei ist. Und wenn wir dann im Jänner erst den Baum und dann innerhalb von zwei Tagen die Deko in den Keller räumen, ist die Wohnung wieder leer. Dann bin ich einerseits traurig. Andererseits ist es auch ein bisschen befreiend. Dann stellen wir hier wieder unsere Buddhas auf." (24.12.2016)

    Poldi Eder (47) und sein Ehemann Peter (49) leben in St. Pölten. Leopold arbeitet seit 26 Jahren als Kosmetikberater beim Großhändler Metro und ist gebürtiger St. Pöltner, Peter arbeitet in der Landeshauptstadt als Serviceleiter im Lokal "Villa". Sie sind seit sechs Jahren verheiratet.

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