Zahnbewehrter Vogel ging auf Fischfang

Video25. Dezember 2016, 10:51
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Tingmiatornis arctica lebte in einer Periode, in der es in der Arktis so warm gewesen sein könnte wie heute in Florida

Iqaluit – Forscher der University of Rochester sind in Nunavut, dem teilautonomen Inuit-Territorium im Norden Kanadas, auf die Überreste einer bislang nicht bekannten Vogelart aus der Kreidezeit gestoßen. Die Spezies erhielt die Bezeichnung Tingmiatornis arctica – Tingmiat bedeutet in einer der Inuit-Sprachen "die, die fliegen".

university of rochester

Der Vogel, der vor etwa 90 Millionen Jahren lebte, sah laut dem Paläontologen John Tarduno wie eine Kreuzung aus einer großen Möwe und einem Kormoran aus – und er hatte anders als heutige Vögel aller Wahrscheinlichkeit nach Zähne. Zwar konnten nur Teile der Elle und des Oberarmknochens gefunden werden, doch ermöglichten diese, den Verwandtschaftsgrad zu bereits bekannten Vogelarten aus dem Mesozoikum einzuschätzen – und damit auch das Aussehen das Tiers zu erahnen.

Tingmiatornis hat laut den Forscher vom Fischfang gelebt, wobei ihm die Zähne zum Festhalten der schlüpfrigen Beute sehr zupass kamen. In derselben geologischen Schicht wurden unter anderem Fossilien von Kahlhechten gefunden, einer recht urtümlichen Gruppe von Knochenfischen, die man heute noch im Osten Nordamerikas antreffen kann. Zeitgleich mit ihnen lebten dort Schildkröten und Champsosaurier, äußerlich an Krokodile erinnernde Reptilen mit langer Schnauze, die ebenfalls vom Fischfang lebten.

Einblicke in vergangenes Ökosystem

Aus den Fossilien glauben die Forscher zudem ein Ökosystem rekonstruieren zu können, das noch wärmer war als bislang angenommen. Bisher dachte man, dass es vor 90 Millionen Jahren in dieser Region zwar deutlich wärmer war als heute, es aber trotzdem im Winter Eis und Schnee gegeben habe.

Nun vermutet Tarduno, dass es dort das ganze Jahr über eisfrei war und Temperaturen wie heute im Norden Floridas geherrscht hätten – anders habe ein Ökosystem, das die bisher gefundenen Spezies enthielt, nicht existieren können. Es soll sich um eine wenige Millionen Jahre umfassende Periode extremer Klimaerwärmung gehandelt haben, die laut den Forschern auf starke vulkanische Aktivität und den von ihr ausgelösten CO2-Ausstoß zurückgegangen sein dürfte. (jdo, 25. 12. 2016)

  • Die Polarlichter schienen damals nicht auf ewiges Eis, sondern auf eine warme Bucht, in der sich Vögel, Meeresschildkröten und Champsosaurier tummelten.
    illustration: university of rochester / michael osadciw

    Die Polarlichter schienen damals nicht auf ewiges Eis, sondern auf eine warme Bucht, in der sich Vögel, Meeresschildkröten und Champsosaurier tummelten.

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