Rheintal: Unmut wegen Umwidmung von Grünflächen für Ölz

22. Dezember 2016, 06:00
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Einwohner von Weiler und Klaus protestieren – Vier von fünf Gutachten sprachen sich gegen die Umwidmung aus

Weiler – In Weiler im Bezirk Feldkirch soll die Grünzone kräftig reduziert werden. Eine entsprechende Entscheidung des Raumplanungsbeirats empört Bürgerinnen und Bürger auch in der Nachbargemeinde Klaus. Ein weiterer Grund für Unmut: Das Auflageverfahren, das Möglichkeiten zum Einspruch und Stellungnahme gibt, beginnt kurz nach Weihnachten und dauert bis 27. Jänner. "Jetzt, wo sich Widerstand regt, muss es schnell gehen", vermuten die Klauser Grünen und die Bürgerinitiative in Weiler.

Gegen die Umwidmung der Freiflächen sprechen sich nicht nur die Bürgerinnen und Bürger aus – von fünf Gutachten, die Grundlage für die Entscheidung der Landesregierung waren, sind vier (Naturschutz, Raumplanung, Landwirtschaft und Verkehr) negativ. Einzig das Gutachten der Wirtschaftsabteilung ist positiv. Sie stellt "überwiegendes öffentliches Interesse" fest.

Öffentliches Interesse Arbeitsplatz

Grund für die Umwidmung einer 4,9 Hektar großen Fläche sind Expansionsbestrebungen der Dornbirner Großbäckerei Ölz. Weil das Unternehmen am Hauptstandort nicht fündig wurde, will es die Betriebserweiterung im südlichen Rheintal umsetzen. Der seit drei Generationen bestehende Familienbetrieb beschäftigt 874 Menschen und verspricht weitere 300 Arbeitsplätze am neuen Standort. Womit die Wirtschaftsabteilung, wie jene für Raumplanung in der Verantwortung von Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (VP), öffentliches Interesse begründet sieht.

Umweltlandesrat Johannes Rauch (Grüne) ist nicht der Meinung seines Regierungskollegen: "Es ist schlicht falsch, im ohnehin zersiedelten Rheintal immer neue Flächen zu erschließen, ohne dass die vorhandenen genutzt werden. Genauso falsch ist es, die besten und fruchtbarsten Ackerböden zuzubauen und damit der Landwirtschaft nach und nach die Existenzgrundlage zu entziehen." Er werde sich um seriöse Prüfung von Alternativen bemühen, sagt Rauch.

Die Alternativflächen gebe es, widerspricht er Rüdisser. Rauch fordert die Gemeinden auf, ihre Konkurrenz um Betriebsflächen einzustellen. Sein Vorschlag: Kommunalsteuern gemeinsam einheben. (Jutta Berger, 22.12.2016)

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