Ex-Manager klagt Google wegen "internem Spionageprogramm"

24. Dezember 2016, 09:48
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Mitarbeitern soll unter anderem verboten worden sein, über illegale Aktivitäten im Unternehmen zu sprechen – 3,8 Mrd. Dollar Strafe möglich

Wegen eines angeblich viel zu weit gehenden "Maulkorberlasses" für Mitarbeiter muss sich Google möglicherweise künftig vor dem Höchstgericht des US-Bundesstaates Kalifornien verantworten. Ein ehemaliger Produktmanager sieht in den Praktiken des Konzerns mehrfache Brüche des Arbeitsrechts und hat Klage eingereicht.

Das berichtet The Information. The Verge hat dazu mittlerweile die Klagsschrift aufgespürt und zur Verfügung gestellt. Den Anschuldigungen zufolge betreibt Google ein "internes Spionageprogramm", das weit über gängige Non-Disclosure-Klauseln hinaus reichen soll.

Vorwurf: Mitarbeiter sollen Verstöße geheimhalten

So soll etwa ein Verbot herrschen, über potenziell illegale Vorgänge, Vertragsbrüche oder Regulierungsverstöße im Unternehmen zu reden. Und zwar nicht nur mit firmenfremden Dritten und der Presse, sondern auch mit den eigenen Anwälten.

Außerdem würden Mitarbeiter bestärkt, Kollegen zu melden, wenn der Verdacht besteht, sie würden interne Informationen weitergeben. Ein solcher Verdacht würde sich etwa daraus ableiten, dass jemand detaillierte Fragen zu einem Projekt stellt, an dem er selbst nicht beteiligt ist.

Brin oder Page sollen Kündigung angedroht haben

Die Anti-Leak-Regelungen sollen gar so weit gehen, dass Mitarbeiter nicht einmal ein Buch darüber schreiben könnten, in dem sie die Arbeit für "einen großen Konzern aus dem Silicon Valley" beschreiben. Eine Veröffentlichung wäre demnach nur erlaubt, wenn sie Google die finale Version des Manuskripts vorlegen und diese freigegeben wird.

Gedacht sind derlei Vorschriften vornehmlich, um den Fluss interner Informationen in Richtung Medien durch Mitarbeiter möglichst einzudämmen. Laut Klage soll einer der beiden Google-Gründer (ob es sich um Sergej Brin oder Larry Page handelt, bleibt unklar) auf einem firmeninternen Treffen entsprechend erklärt haben, dass jeder, der geheim gehaltenes Material an die Öffentlichkeit trägt, gefeuert werde.

Theoretisch Milliardenstrafe möglich

Insgesamt werden Google zwölf Verstöße vorgeworden. Würde das Unternehmen in allen Punkten schuldig gesprochen, würde eine maximale Strafe von 3,8 Milliarden Dollar drohen. Der Großteil davon würde als Strafe direkt in die Kasse des Bundesstaates fließen, der Rest in Form von Entschädigungszahlungen von bis zu 14.600 Dollar pro Person an alle Google-Angestellten gehen.

Google hat nun die Möglichkeit, über seine Anwälte auf die Anschuldigungen zu antworten und vor Gericht eine Stellungnahme einzubringen. Bislang hat das Unternehmen auf die Klage noch nicht reagiert. (gpi, 24.12.2016)

  • Googles Geheimhaltungsvorgaben sollen zahlreiche Gesetzesverstöße beinhalten.
    foto: reuters

    Googles Geheimhaltungsvorgaben sollen zahlreiche Gesetzesverstöße beinhalten.

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