Von peinlich bis historisch: Das Jahr 2016 in politischen Videos

29. Dezember 2016, 14:47
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Das Video hat seinen Fixplatz in der politischen Kommunikation in Österreich 2016 gefestigt. Von möglicherweise wahlentscheidend bis skurril ist alles dabei

Das bewegte Bild gewinnt an Bedeutung – das macht sich auch in der politischen Kommunikation bemerkbar, die immer öfter mit Internetvideos arbeitet. Die Videos decken dabei ein breites Spektrum ab: von hochprofessionell und möglicherweise geschichtsträchtig bis skurril und peinlich. DER STANDARD hat die denkwürdigsten, unterhaltsamsten, informativsten und merkwürdigsten Videos des Jahres 2016 zusammengestellt.

1.1.2016: Heinz Fischers letzte Neujahrsansprache

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Der damalige Bundespräsident hielt seine letzte Rede zum Beginn des neuen Jahres im Glauben, dass er das Amt nahtlos an seinen Nachfolger übergeben würde. Tatsächlich sollte es im Jahr 2016 nur einen Bundespräsidenten geben; Fischers Nachfolger, Alexander Van der Bellen, wird erst im Jänner angelobt. In seiner Neujahrsansprache forderte er Humanität in der Flüchtlingspolitik ein: "Jeder Flüchtling ist ein Mensch. Und der Mensch ist nun einmal etwas Besonderes und Einzigartiges."

8.1.2016: Van der Bellen gibt Kandidatur bekannt

alexander van der bellen

"Mein Name ist Van der Bellen. Ich kandidiere für das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich und bitte Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung", sagt der am 4. Dezember endgültig zum Präsidenten gewählte ehemalige Grünen-Chef am Ende des Videos, mit dem er am 8. Jänner 2016 als zweiter Kandidat sein Antreten bekanntgab. Fast ein Jahr später hat er sich gegen Richard Lugner, Andreas Khol (ÖVP), Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Irmgard Griss und Norbert Hofer (FPÖ) durchgesetzt.

29.1.2016: "Lugner for President!"

lugner city

"Österreich braucht gerade jetzt einen Baumeister aus dem Volk", sagt der Unternehmer Richard Lugner in einem offenbar mit dem Handy gedrehten Video. Gemeinsam mit seiner damaligen Frau Cathy bewirbt er sich Ende Jänner nur scheinbar für das Amt. Er überlege noch, ob er kandidieren soll, sagt er damals zum STANDARD – denn mit "ein paar Prozent" unter "ferner liefen" will er jedenfalls nicht antreten. Mitte Jänner folgte dann die Entscheidung für die Kandidatur. Beim ersten Wahlgang am 24. April erhielt Lugner 2,26 Prozent der Stimmen. Das Video war übrigens nur als Trainingsvideo gedacht – Lugner stellte es unabgesprochen in Eigenregie online, sagte sein Rhetorikcoach später.

19.9.2016: Blogger entschlüsselt Hofers Rhetoriktricks

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Nach dem Wahlkampf sah sich der FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer gezwungen zu betonen, dass er "keine zwei Gesichter" habe. Entscheidend dazu beigetragen dürfte Hans Kirchmeyrs Video "Hinter der Rhetorik von Norbert Hofer", in dem der Mitbegründer des Medienwatchblogs "Kobuk" ein Interview mit Hofer im ORF-"Report" analysiert. Das Video wurde auch in deutschen Medien aufgegriffen und steht Ende 2016 bei fast 380.000 Klicks.

21.9.2016: Roland Düringer gründet eine Partei

orlando furioso

"Meine Stimme gilt" heißt die Partei, die der Kabarettist Roland Düringer Ende September offiziell gegründet hat. Das gibt er in einem selbstgedrehten Video vor dem Innenministerium neben seinem Mitstreiter, dem Ex-Team-Stronach-Mandatar Walter Naderer, bekannt. Über die Inhalte der Partei ist bis heute wenig bekannt. "Es geht nicht darum, dass wir dann irgendetwas machen im Parlament, dass wir alles besser machen", erklärt Düringer bald nach der Parteigründung in einem weiteren Video.

19.11.2016: "Lugar in der weiten Welt"

Das skurrilste Video im innenpolitischen Jahr 2016 stammt vom in dieser Hinsicht zuverlässigen Team Stronach. "So klare Worte zur Wahl hört man bei uns wohl selten", kommentiert Parteichef Robert Lugar seine eigene Reaktion auf die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten. Er spricht darin mit Personen in Hillary-Clinton- und Donald-Trump-Papiermasken.

24.11.2016: Frau Gertrudes Wahlempfehlung

Mit einem möglicherweise wahlentscheidenden Appell wandte sich eine 89-jährige Holocaustüberlebende namens Gertrude wenige Tage vor der Wahl an die österreichische Bevölkerung. Die FPÖ würde "das Niedrigste aus den Leuten herausholen – nicht das Anständige". Deshalb werde sie Alexander Van der Bellen wählen. Dessen Kampagnenleiter Martin Radjaby-Rasset bekräftige später im STANDARD-Interview, dass die Frau von sich aus auf das Team des künftigen Präsidenten zugekommen sei: "Frau Gertrude kann man nicht planen." (Sebastian Fellner, 29.12.2016)

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