Mehr Schutz für die Marke "Universität"

21. Dezember 2016, 13:05
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Die Mindestanforderungen, die eine private Bildungseinrichtung erfüllen muss, um sich "Universität" nennen zu dürfen, seien zu niedrig angesetzt, meinen Experten

Wien – Der Wissenschaftsrat empfiehlt die Einführung von "Privathochschulen" zum Schutz der Bezeichnung Universität. Die derzeit im Privatuniversitätengesetz (PUG) definierten Mindestanforderungen für den Typus Universität seien "zu niedrig angesetzt", konstatiert der Rat in einer Stellungnahme.

Die Bezeichnungen "Universität" und "Fachhochschule" sollten vor einer beliebigen Vergabe geschützt werden.

"Die oft als willkürlich erscheinende Zusammensetzung von Fakultäten oder einzelnen Studiengängen, die, ein Ausbildungspotpourri darstellend, als Privat-Universität akkreditiert wurde, erfordert eine erneute Bestimmung von Charakteristika und Aufgaben einer Bildungseinrichtung, die sich 'Universität' nennen darf", stellt der Rat fest.

Den Ansprüchen nicht gerecht

Der Hochschultyp Universität für sämtliche privaten hochschulischen Bildungseinrichtungen "wird in einigen Fällen weder den Ansprüchen an eine Universität noch den Bedürfnissen privater Träger gerecht, die aus guten Gründen ein auf die Lehre fokussiertes und praxisnahes Ausbildungskonzept wünschen". Deshalb will der Rat neben der Privatuniversität den Typus "Privathochschule" einführen: Er soll jene privaten Einrichtungen abdecken, die "weniger auf Forschung als auf Lehre und praktische Ausbildung abzielen".

Festgelegt werden sollte der Typus durch die Akkreditierungsbehörde.

Universitäten sollten auch forschen

Voraussetzung für eine "Privathochschule" sind demnach eine kritische Masse von Studierenden und eine entsprechende Zahl von fest angestelltem, habilitiertem oder gleichwertig akademisch qualifiziertem Lehrpersonal. Universitäten hätten in diesem Zusammenhang darüber hinaus als zentrale Aufgaben die Forschung im Grundlagenbereich, die forschungsgeleitete Lehre, die wissenschaftliche Pflege der Fächer und Disziplinen sowie die Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, heißt es an anderer Stelle.

Differenzierung per Gesetz gefordert

Die genauen Anforderungen an die beiden Typen sollten gesetzlich definiert werden, fordert der Rat. Konsequenzen hätte diese Unterscheidung etwa für das Promotionsrecht und das Studienangebot. "Künftig sollte es nur Privatuniversitäten mit universitären Qualitätsnachweisen in Bezug auf das Curriculum (forschungsgeleitete Lehre) und auf das Lehrpersonal (Habilitation oder gleichwertige akademische Qualifikation) möglich sein, Doktoratsstudien anzubieten", empfiehlt der Wissenschaftsrat.

Ein ähnlicher "Universitätsvorbehalt" sei auch für andere Studien zu diskutieren, bei denen wegen gesetzlich definierter Berufsprofile Qualitätsmanagement und -kontrolle besonders intensiv und effektiv gestaltet werden müssten. Als Beispiele nennt der Rat Humanmedizin, Pharmazie und Jus. Zu den universitären Qualitätsansprüchen zählten auch "nachweislich qualitätsgesicherte Berufungsverfahren". (APA, 21.12.2016)

  • Brauchen Markenschutz: Die Uni-Rektoren (hier bei einer Feier zum 650-jährigen Bestehen der Universität Wien)
    foto: apa/neubauer

    Brauchen Markenschutz: Die Uni-Rektoren (hier bei einer Feier zum 650-jährigen Bestehen der Universität Wien)

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