"The Walking Dead: A New Frontier": Viel Lob für neues Zombie-Abenteuer

21. Dezember 2016, 12:35
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Die dritte Staffel der Games-Umsetzung überzeugt in ersten Rezensionen mit alten Stärken und besserer Technik

Während die TV-Umsetzung des "The Walking Dead"-Comics zwischen Survival-Gruppendrama und Gewaltporno mäandert, hat die Reihe auch auf Ebene der Videospiele ihre Höhen und Tiefen erlebt. Während etwa die erste Staffel der Adventure-Umsetzung von Telltale Games für viele (GameStandard inklusive) als Meilensteil des Storytellings galt, enttäuschte der von Activision produzierte Shooter mit dem Untertitel "Survival Instinct" mit technischen und spielerischen Schwächen.

Auch die zweite Staffel des Telltale-Abenteuers rund um das Mädchen Clementine vermochte nicht alle Fans zu überzeugen – trotz starkem Finish. Mit dem dritten Anlauf hat sich das Studio nun mehr Zeit gelassen. Mit drei Jahren Abstand hat das neue Abenteuer nun unter dem Titel "A New Frontier" gleich mit zwei Episoden sein Debüt gefeiert. Erste Rezensionen attestieren dem Zombie-Drama ein gelungenes Comeback.

Berücksichtigt wurden die Tests von PC Gamer, Destructoid und Game Informer. Achtung: Der folgende Text enthält teilweise Spoiler zu allen erschienenen "The Walking Dead"-Adaptionen von Telltale.

Technisch aufgewertet

Clementine, seit Staffel 1 auch liebevoll "Clem" genannt, hat schon viel erlebt. Vom Verlust ihrer Eltern über eine von tragischen Ereignissen geprägte Reise durch das postapokalyptische Georgia, dem Tod ihres Ersatzvaters, viele Bedrohungen, Intrigen und letztlich auch den Abschied von einem alten, totgeglaubten Bekannten.

Aus dem kleinen, verängstigten Mädchen ist mit der Zeit ein taffer Teenager geworden, der sich schon in der Eröffnung des dritten Teils bewähren muss. Hier zeigt das Game auch neue technische Stärken. Denn es ist verpackt in die frische Engine von Telltale, deren in "Batman" noch zu merkende Kinderkrankheiten nunmehr ausgebügelt zu sein scheinen. Allgemein schönere Grafik, verbesserte Beleuchtung und flüssigere Animationen untermalen den atmosphärisch gelungenen Einstieg.

telltale games

Erzwungene Allianz

Ein neuer Teil bringt freilich auch neue Charaktere mit sich. Als wichtigste neue Figur führt "A New Frontier" den gefallenen Ex-Baseball-Star Javier Garcia, der im Verbund mit seiner Schwägerin und ihren zwei Kindern unterwegs ist. Eine familiäre Anordnung, die ein wenig an den ersten Teil erinnert. Kenner der TV-Serie stoßen auf weitere bekannte Gesichter.

Durch Rückblenden erfährt man, warum Clementine mittlerweile nur noch schwer Vertrauen in andere Menschen fassen kann und wieso sie mitunter verbittert wirkt. Gleichzeitig zwingt das Narrativ sie in eine nicht unbedingt reibungsfreie Allianz mit Javier, aus dessen Perspektive die Geschichte in "Ties That Bind" 1 und 2 erzählt wird.

Neue Figuren, alte Muster

Dieser Zugang bringt aber auch gewisse Probleme mit sich, denn mitunter trifft man als Spieler Entscheidungen mit Hintergrundwissen, über das der Charakter gar nicht verfügen kann. Später steigt man zudem zur Vertrauensperson von Mitstreitern auf, obwohl es andere Überlebende gibt, die diese schon wesentlich länger kennen. Ein Muster, das man in wiederkehrender Form auch aus der Fernsehserie und dem periodisch aus der Bahn geworfenen Gruppenanführer Rick Grimes kennt.

Der Charakter von Clementine wird laut den Entwicklern auch geprägt von den Entscheidungen des Spielers in den ersten beiden Staffeln des Spieles und deren weiteren Folgen – sofern man über alte Speicherstände verfügt. Andernfalls legt das Game den vorherigen Verlauf nach Zufallsprinzip fest. Große Unterschiede fallen allerdings nicht auf, von Fall zu Fall präsentiert das Game die junge Frau schlicht in unterschiedlichen Abstufungen einer "hartgesottenen Überlebenden mit weichen Kern" (Destructoid).

Bewährte Stärken

Die Stärke des Spiels, das sich auf die bewährten Elemente des Zombie-Dramas stützt, sind weiterhin seine Dialoge. Über dieses beeinflusst man die Beziehungen zwischen den Charakteren und setzt Konsequenzen, die mitunter in künftigen Episoden und Teilen nachwirken können. Die direkten Folgen der jeweils gewählten Option sind allerdings nicht immer die erwarteten. Dies verleiht der Handlungsentwicklung eine gewisse Unvorhersagbarkeit, die nicht allen Spielern gefallen wird.

Die Actionsequenzen sind solide umgesetzt und bestehen aus der gewohnten Kombination aus Point-and-Shoot und Quicktime-Events. Handlungsseitig vermag Telltale einige Höhepunkte einzustreuen, Lob gibt es auch für den Cliffhanger am Schluss der zweiten Episode.

Gelungene Fortsetzung

Wer schon Staffel 1 und 2 der Adventure-Umsetzung von "The Walking Dead" mochte, wird vom Einstieg in "A New Frontier" nicht enttäuscht. Telltale liefert zwar größtenteils "more of the same", allerdings auf hohem Niveau und gutem Ausblick auf die weiteren Folgen. (gpi, 21.12.2016)

  • "The Walking Dead: A New Frontier" ist für PC, Xbox One und PlayStation 4 erschienen. Die PC-Version kann über Steam, Gog.com und den Webshop von Telltale Games erworben werden.
    screenshot: telltale games

    "The Walking Dead: A New Frontier" ist für PC, Xbox One und PlayStation 4 erschienen. Die PC-Version kann über Steam, Gog.com und den Webshop von Telltale Games erworben werden.

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