Junge Unternehmen schaffen die meisten Jobs

21. Dezember 2016, 11:47
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Ein- und Zweipersonenfirmen müssen zu oft schließen, um zum Jobaufbau beizutragen. In der Wirtschaftskrise waren erfahrene Firmen erfolgreicher

Wien – Junge Unternehmen schaffen in Österreich die meisten Jobs. Allerdings erst ab einer gewissen Größe, denn Mikrofirmen mit ein oder zwei Beschäftigten gehen zu oft pleite, um in Summe zum Jobaufbau beitragen zu können. Kämen keine neuen Firmen dazu, dann würde die Zahl der Arbeitsplätze sogar abnehmen, denn schon bestehende Firmen haben zwischen 2003 und 2013 im Schnitt jährlich Jobs abgebaut.

Harald Oberhofer vom Institut für Internationale Wirtschaft an der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien und seine Kollegen Peter Huber vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Michael Pfaffermayr (Universität Innsbruck, Wifo) haben im European Economic Review Nr. 91 eine Studie zur Jobschaffung in Österreich veröffentlicht. Darin haben sie, gegliedert nach Alter und Größe von Firmen, neu entstehende Arbeitsplätze den durch Schließung der Unternehmen verlorengehenden gegenübergestellt.

Dynamik ähnlich wie in USA

Obwohl in Österreich der Arbeitsmarkt stark reguliert ist, gibt es eine ähnliche Dynamik wie in den USA: Neu entstehende Kleinstunternehmen schaffen viele Jobs, gehen aber auch rasch wieder zugrunde. "Dieses Bild für Österreich unterscheidet sich kaum von dem der USA, was doch etwas überraschend ist. Österreich ist doch deutlich stärker reguliert und eine Philosophie von 'trial and error' ist bei uns auch deutlich weniger ausgeprägt", erklärt Oberhofer in einer Aussendung der Wirtschaftsuniversität. Insgesamt ist die Arbeitsplatz-Bilanz der Minifirmen negativ. Betrachtet man hingegen nur die kleinen Firmen, die überleben, dann schaffen sie ähnlich viele Jobs wie große Firmen.

Kurzfristig könnten substanziell neue Jobs entstehen, wenn die Politik verhindert, dass kleine und junge Firmen pleitegehen. Allerdings wäre dies höchst ineffizient, wenn dadurch Firmen unterstützt werden, die nicht wettbewerbsfähig sind und mittelfristig wohl so oder so "den Markt verlassen" müssen, heißt es in der Studie.

Finanzkrise

Die Autoren haben auch die Jobschaffung während der Finanzkrise von 2008 bis 2010 nachgerechnet. Hier waren die jungen Unternehmen stärker betroffen, sie gingen öfter pleite. Auch verringerte sich die Jobschaffung dieser Firmen deutlich. Allerdings haben jene Kleinstfirmen, die durchgekommen sind, mehr neue Arbeitsplätze geschaffen als die großen. Offenbar helfe Markterfahrung, um in Krisenzeiten erfolgreich überleben zu können, schließt Oberhofer aus den Daten. "Auch Finanzierungsprobleme ausgelöst durch die Bankenkrise könnten hier eine relativ wichtige Rolle gespielt haben, dies lässt sich allerdings aus den verfügbaren Daten nicht direkt ablesen."

In der Krise gab es allerdings – nicht zuletzt dank Kurzarbeitsregeln – eine ganz andere Entwicklung als in den USA. Während dort die Wirtschaft um 2,8 Prozent schrumpfte und parallel dazu die Jobs um 3,8 Prozent zurückgingen, fiel die Beschäftigung in Österreich nur um 0,3 Prozent, obwohl die Wirtschaft um 3,8 Prozent schrumpfte. Schon 2010 gab es wieder mehr Beschäftigung als vor der Krise, obwohl die Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent niedriger war als vor der Krise.

Die Studie basiert auf Daten der Sozialversicherung, die Autoren beklagen allerdings die relativ schlechte Datenlage in Österreich. (APA, 21.12.2016)

  • Kleinstunternehmen schaffen viele Jobs, gehen aber auch rasch wieder zugrunde.
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    Kleinstunternehmen schaffen viele Jobs, gehen aber auch rasch wieder zugrunde.

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