VW-Skandal: Einigung auf Entschädigung für Kunden in den USA

21. Dezember 2016, 14:50
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Eigner der Fahrzeuge mit Drei-Liter-Motoren von Audi sollen eine "erhebliche Entschädigung" erhalten

Wolfsburg/San Francisco – Einigung in Zeitlupe: Volkswagen hat sich nach monatelangem zähem Ringen im Grundsatz auf eine Entschädigung von 83.000 Kunden in den USA mit umweltbelastenden Dieselautos verständigt. Der Vergleich mit Behörden und Privatklägern sieht nach Angaben von Bezirksrichter Charles Breyer vor, dass die Eigner der Fahrzeuge mit Drei-Liter-Motoren von Audi eine "erhebliche Entschädigung" erhalten sollen. Etwa 20.000 Fahrzeuge sollen zurückgekauft und weitere 63.000 umrüstet werden, sobald die Behörden die Freigabe für die technische Lösung erteilen. Als Teil der Vereinbarung mit dem US-Justizministerium zahlt Volkswagen zudem 225 Millionen Dollar in einen Fonds zur Wiedergutmachung für überhöhte Dieselemissionen. Für Donnerstag setze das Gericht eine weitere Anhörung an, um weitere Details bekanntzugeben.

Volkswagen teilte mit, das Gericht habe für den 31. Januar eine Frist für eine formale Übereinkunft gesetzt. Das Unternehmen habe eine Vereinbarung mit Klägern über wesentliche Aspekte des monetären Ausgleichs getroffen, den berechtigte Eigentümer und Leasingnehmer erhalten sollten. Die Höhe der Entschädigung wurde nicht genannt. Die US-Umweltbehörde EPA schätzt die Kosten der Einigung für Volkswagen auf insgesamt eine Milliarde Dollar. Außerdem sagten Wolfsburger zu, in Kalifornien bis 2020 mindestens drei zusätzliche Elektroautos auf den Markt bringen, darunter einen Geländewagen.

Audi hatte vergangenes Jahr zugegeben, eine nach US-Recht als illegal geltende Software bei Sechszylinder-Diesel-Motoren mit drei Litern Hubraum eingebaut zu haben, um die Abgaswerte zu manipulieren. Die Premiumtochter des Wolfsburger Konzerns ist für die Entwicklung von großen Motoren mit drei Litern Hubraum zuständig, die auch in Geländewagen von VW und Porsche eingebaut sind.

Aufarbeitung in kleinen Schritten

Mit der nun erzielten Einigung kann Volkswagen einen weiteren Brocken bei der Aufarbeitung des Abgasskandals aus dem Weg räumen, der vor gut einem Jahr in den USA ans Licht kam. Die Verhandlungen vor dem Bezirksgericht in San Francisco hatten sich hingezogen. Zuletzt hatte Richter Breyer drei Mal einen Anhörungstermin verschoben, um den Druck zu erhöhen. Erst beim vierten Anlauf gelang nun der Durchbruch für das zweite Diesel-Paket.

Zu Wochenanfang hatte sich Volkswagen bereits in Kanada mit Klägern geeinigt. Sie sollen umgerechnet bis zu 1,5 Milliarden Euro Schadensersatz für Dieselautos mit Zwei-Liter-Dieselmotoren mit manipulierter Abgasreinigung erhalten. Der angestrebte Vergleich mit Sammelklägern muss Ende März noch von zwei kanadischen Gerichten gebilligt werden. Er folgt dem Muster des bis zu 16,5 Milliarden Dollar teuren ersten Diesel-Pakets für rund 475.000 Dieselautos in den USA, der im Sommer geschlossen worden war.

VW hatte vor gut einem Jahr zugegeben, bei weltweit rund elf Millionen Autos die Abgasreinigung mit einer Software so zu steuern, dass die Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide auf dem Prüfstand eingehalten wurden, nicht aber auf der Straße. Bisher hat der Konzern 18,2 Milliarden Euro für die Aufarbeitung von Dieselgate beiseite gelegt. Audi hat in diesem Jahr für den US-Vergleich bisher 752 Millionen Euro zurückgelegt.

Weltweit stehen noch Klagen von Aktionären und Autokäufern aus, denn nur in den USA und Kanada zwingt das Gesetz VW zu teuren Zugeständnissen. In Europa sollen sich die Verbraucher damit begnügen, die Autos durch VW umrüsten zu lassen. Als weitere Hürde steht noch eine Geldbuße des amerikanischen Justizministerums wegen jahrelanger Verstöße gegen US-Umweltrecht aus.

Umrüstung restlicher Motoren

Volkswagen darf nach Freigabe des deutschen Kraftfahrtbundesamtes (KBA) nun auch die noch fehlenden vom Dieselskandal betroffenen Motoren umrüsten. Für den Zuständigkeitsbereich der Behörde lägen nun alle erforderlichen Genehmigungen vor, teilte VW am Mittwoch in Wolfsburg mit.

In den kommenden Wochen sollen die betroffenen Autofahrer die Benachrichtigung erhalten, dass die Umrüstung für ihr Auto verfügbar ist und sie einen Termin mit einer Vertragswerkstatt vereinbaren können.

Auch Bosch erzielt Einigung

Teil des nun gefundenen zivilrechtlichen Kompromisses ist auch eine Vereinbarung mit dem Zulieferer Bosch als Lieferanten der Steuerungssoftware für die Motoren in den USA. Die Eingung umfasse die Beilegung von Forderungen gegen das Unternehmen, teilte der Stiftungskonzern mit. Reuters hatte bereits berichtet, der Stuttgarter Konzern sei zur Zahlung von mehr als 300 Millionen Dollar an Kläger bereit, die dem Zulieferer aktive Mithilfe bei der Manipulation vorwerfen. Bosch hatte jegliche Verantwortung für den Einsatz der Software von sich gewiesen. (Reuters, 21.12.2016)

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