Androsch an Politik: Bitte weniger Gackern und mehr Eier legen

20. Dezember 2016, 20:57
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Heftige Kritik des Forschungsratschefs an Politik der Ankündigungen, der zu wenige Taten in Sachen F&E folgen würden

Wien – Recht stolz war man in den Reihen von SPÖ und ÖVP, als Anfang November ein gemeinsames Paket der Bundesregierung für zusätzliche Forschungsmittel ab 2018 präsentiert wurde. Insgesamt 700 Millionen Euro sollen dann bis 2021 noch einmal extra fließen, hieß es. Der Industrielle Hannes Androsch ist derzeit dennoch nicht in Feierstimmung. "Noch fließt das Geld nicht", sagt er in seiner Funktion als Chef des Forschungsrats zum STANDARD. Die Erfahrung der vergangenen neun Jahre zeige: "Es wird viel angekündigt, aber nur wenig umgesetzt." Oder etwas drastischer formuliert: "Man gackert, ohne Eier zu legen."

Androsch bezieht sich konkret auf die bis jetzt nicht zur Verfügung gestellten Mittel der Bankenabgabe. Diese Gelder könnte es, so der Stand seiner Informationen, erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres geben. Man verliere damit ohne Not ein weiteres Jahr.

Die zur Unterstützung der heimischen Forschung im Jahr 2004 gegründete Nationalstiftung habe zudem heuer etwa 20 Millionen Euro ausgeschüttet, schreibt der Forschungsrat in seiner aktuellen Empfehlung. Für das nächste Jahr werden nicht einmal zehn Millionen in Aussicht gestellt, weshalb das Geld gar nicht unter den Förderagenturen verteilt wird.

Stiftung im Sinkflug

Ursprünglich sollte die Nationalstiftung jährlich 125 Mio. Euro ausschütten. Dieses Ziel wurde allerdings nur in den ersten drei Jahren erreicht. Seither befindet sich die Stiftung im Sinkflug. Auch eine 2016 in Aussicht gestellte Zusatzdotierung von Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) sei ausgeblieben, kritisiert Androsch.

Der Forschungsrat empfiehlt eine Zusammenlegung von Nationalstiftung und Österreich-Fonds, der aus Einnahmen durch den neuen 55-Prozent-Steuersatz für Einkommensanteile über eine Million Euro gespeist wird und heuer in Summe 33,7 Millionen Euro ausschüttete. Androsch fordert auch eine rasche Prioritätensetzung auf zukunftsorientierte Bereiche wie Innovation und Bildung und kritisiert Aktivitäten wie den kürzlich versprochenen "Pensions-Hunderter". Das würde nichts bringen außer Mittelmaß.

Politiker müssten dazu übergehen, endlich Politik zu machen. Soll in den Worten des Forschungsratschefs heißen: "Eier legen – und erst danach wieder gackern. Nicht umgekehrt." (pi, 21.12.2016)

  • Forschungsratschef Hannes Androsch sieht noch keinen Grund zur Freude. Die Nationalstiftung sei deutlich unterdotiert. Der Rat empfiehlt eine Zusammenlegung mit dem Österreich-Fonds.
    foto: apa/fohringer

    Forschungsratschef Hannes Androsch sieht noch keinen Grund zur Freude. Die Nationalstiftung sei deutlich unterdotiert. Der Rat empfiehlt eine Zusammenlegung mit dem Österreich-Fonds.

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