Polizeichef Klaus Kandt: Ein Flüchtling bringt Ruhe in Berlins Polizei

Kopf des Tages20. Dezember 2016, 20:00
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Der Berliner Polizeichef hält nach dem Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt Kontakt zu den Berlinern

Selbst als bekannt wurde, dass jener Täter, der für den Tod von mindestens zwölf Menschen auf dem Berliner Breitscheidplatz verantwortlich ist, mit einiger Wahrscheinlichkeit immer noch auf freiem Fuß und womöglich bewaffnet ist, sprach Klaus Kandt mit ruhiger, tiefer Stimme seine kargen Worte. Ja, die Sicherheitslage in Berlin habe sich "mit dem Anschlag schon ein Stück weit verändert", sagte Kandt – eine erstaunlich zurückhaltende Formulierung aus dem Mund jener Person, die für ebendiese Sicherheitslage im Land Berlin zuständig ist.

Die gezielte Wahl der Kommunikationsmittel ist ein Steckenpferd des 56-Jährigen. Er initiierte den Auftritt der Behörde auf Facebook und Twitter und förderte den offensiven Austausch auf diesen Kanälen.

Im Dezember 2012 wurde das Kind geflüchteter Ungarndeutscher, das in einer kleinen Landgemeinde im Schwabenland aufwuchs, von seinem Parteifreund, dem früheren CDU-Innensenator Frank Henkel, zum Polizeipräsidenten ernannt. Das Etikett Vetternwirtschaft schüttelte der Vater dreier Kinder, der sich in einem Interview als "ein bisschen konservativ, aber nicht mehr katholisch" bezeichnete, jedoch erfolgreich ab. Als er im Vorjahr aus Protest aus der Gewerkschaft austrat, weil diese sich allzu lasch gegen rechts abgrenzte, titelte die anfänglich Kandt-kritische Zeitung taz: "Polizeipräsident zeigt Flagge".

Ausnahmeeinsätze wie der aktuelle sind Kandt nicht fremd. Mit 23 Jahren trat er in die Antiterroreinheit GSG 9 ein, drei Jahre später wurde er Teamleiter beim Spezialeinsatzkommando Berlin, und ab 1993 leitete er neun Jahre lang die Abteilung Spezialeinheiten im Landeskriminalamt Brandenburg. Nach Stationen als Polizeipräsident in Frankfurt an der Oder und Potsdam übernahm er die Bundespolizeidirektion Berlin, bevor er Polizeipräsident in Berlin wurde.

Die aktuellen Ermittlungen leitet zwar Generalbundesanwalt Peter Frank, Kandt kümmert sich aber um die Kommunikation mit der Bevölkerung. Seine Behörde informiert online auf Deutsch und Englisch, über den Onlinedienst Storify bietet sie einfache Wege, auf denen man sachdienliche Hinweise in Bild- oder Videoform posten kann. Dass die Kommunikation auch zu viel werden kann, zeigt ein Tweet von Dienstagnachmittag: "Wir wissen Ihre vielen #Danke-Tweets, die uns erreichen, zu schätzen", heißt es hier, "wünschen uns aber, dass sie weniger zahlreich wären. #Effizienz #Danke" (Maria Sterkl, 20.12.2016)

  • Die gezielte Wahl der Kommunikationsmittel ist ein Steckenpferd des Berliner Polizeichefs Klaus Kandt.
    foto: apa/afp/clemens bilan

    Die gezielte Wahl der Kommunikationsmittel ist ein Steckenpferd des Berliner Polizeichefs Klaus Kandt.

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