Gandler: Russische Biathleten nicht pauschal verurteilen

20. Dezember 2016, 17:35
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ÖSV-Spartenchef zu den Dopinganschuldigungen: "Das schadet dem Sport gewaltig"

Innsbruck/Wien – Der Biathlon-Sport steht zu Weihnachten vor einer unschönen Bescherung. Nach Dopinganschuldigungen gegen 31 russische Biathleten will der Weltverband (IBU) am Donnerstag mit Hilfe eines Expertenberichts Licht ins Dunkel bringen.

"Ein echter Schas. Das schadet dem Sport gewaltig", sagt Markus Gandler, ÖSV-Spartenchef für Langlauf und Biathlon zum STANDARD. Der 50-jährige Tiroler sieht aber eine nicht minder große Problematik in Pauschalverurteilungen. "Das Negativimage kriegst du nicht mehr weg. Wir haben unser Fett ja schon abbekommen."

Gandler war 1999 Teil der Vierer-Staffel, die in der Ramsau WM-Gold im Langlauf holte und Jahre später zumindest indirekt vom Thema eingeholt wurde – nach einer Dopingsperre für Christian Hoffmann und einer Verurteilung wegen Falschaussage für Michail Botwinow. Unter der Riege von Gandler als Spartenchef folgte der Dopingskandal von Turin 2006 und 2014 der Eklat um Johannes Dürr in Sotschi. Die IBU könnte im aktuellen Fall zügig Sanktionen verhängen. Diese könnten weitreichende Folgen haben, wie etwa den Entzug der Junioren-WM im Februar in Ostrow sowie des Weltcups im März in Tjumen. Sollte die russische Biathlon-Union RBU nachweislich in das mutmaßliche Staatsdoping verwickelt sein, wie es im McLaren-Report heißt, wäre auch ein Komplettausschluss Russlands möglich.

"Einen Veranstalter bestrafen, der so viel Energie in ein Top-Event investiert? Ich weiß nicht, ob das die richtige Lösung ist", sagt Gandler.

Der ehemalige deutsche Biathlet Ricco Groß ist Trainer der russischen Herren. Der vierfache Olympiasieger und neunmalige Weltmeister hat nach eigenen Aussagen seit seiner Amtsübernahme im vergangenen Jahr alles dafür getan, dass die Russen zu "gläsernen" Athleten werden. Sie bestritten die Vorbereitung fast ausschließlich außerhalb von Russland, wurden oft kontrolliert. Aber es geht auch und vor allem um die Zeit vor 2015.

Im Athletenlager herrscht Aufregung. Der französische Weltcup-Dominator Martin Fourcade ermutigte seine Kollegen zu einem Boykott, sollte die IBU nicht hart genug gegen Dopingsünder durchgreifen. Gandler: "Das kann sich nur ein Fourcade erlauben. Unseren Läufern stehen derartige Äußerungen nicht zu." Der ÖSV verpasst seinen Läufern keinen Maulkorb. "Jeder muss diese Sache mit sich selbst ausmachen. Ich hoffe auf eine faire Untersuchung", sagt Gandler. Nachsatz: "Wir müssen auf uns selbst schauen." Simon Eder muss bis zur Heim-WM in Hochfilzen im Februar noch sein Problem im Stehendschießen lösen, Dominik Landertinger "von A bis Z fit werden".

Würde Markus Gandler in Sachen Doping die Hand für seine Biathleten ins Feuer legen? "Nein. Das habe ich mir aufgehört. Seit dem Fall Dürr." (Florian Vetter, 20.12. 2016)

  • Wünscht sich ein faires Verfahren für Russland: Markus Gandler.
    foto: apa/gindl

    Wünscht sich ein faires Verfahren für Russland: Markus Gandler.

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