Zwischen Trauer und Drang nach Vergeltung

    20. Dezember 2016, 16:30
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    Weltweit sorgte der Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt direkt vor der Gedächtniskirche – einem Mahnmal für die Gräuel des Zweiten Weltkriegs – für Entsetzen, Trauer und Solidarität. In diesen Chor stimmte auch der künftige US-Präsident Donald Trump ein, doch er sagt den Terroristen im gleichen Atemzug den Kampf an

    Frankreichs Staatspräsident François Hollande war einer der Ersten, die noch in der Nacht zum Dienstag auf den Lkw-Anschlag in Berlin reagierten: "Die Franzosen teilen die Trauer der Deutschen angesichts dieser Tragödie, die ganz Europa trifft." Und sein Premierminister Bernard Cazeneuve versicherte Deutschland der "Solidarität und Brüderlichkeit mit unseren deutschen Freunden". Präsident Hollande sprach später von einer neuerlich verschärften Gefährdungslage für Terrorangriffe in Frankreich: "Wir haben eine hohe Stufe der Bedrohung."

    In Frankreich hatte die Serie islamistisch motivierter Attentate auf europäischem Boden vor fast genau zwei Jahren begonnen: am 7. Jänner 2015, als bei Anschlägen in Paris auf die Redaktion der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und auf einen jüdischen Supermarkt 17 Menschen ums Leben kamen.

    Parallelen zu Nizza

    Der Berliner Anschlag erinnerte in seiner Durchführung zwangsläufig an jenen vom vergangenen Juli in Nizza, bei dem ein Mann einen Lkw auf der belebten Strandpromenade in eine Menschenmenge gesteuert hatte, wobei 86 Menschen getötet wurden. Philippe Pradal, Bürgermeister der südfranzösischen Metropole, twitterte noch in der Nacht: "Gleiche Vorgehensweise. Gleiche blinde Gewalt. Gleicher Hass auf glückliche Menschen."

    Auch die Führungsspitze der EU zeigte sich erschüttert. Kommissionschef Jean-Claude Juncker aus Luxemburg sagte: "Meine Gedanken und die der gesamten Europäischen Kommission sind bei den Familien und Angehörigen all jener, die in Berlin getötet und verletzt wurden. Diese Nachricht erschüttert uns umso mehr, weil sie dort zusammengekommen waren, um die Vorweihnachtszeit zu feiern, die viele mit Besinnlichkeit und Frieden verbinden."

    Auch der polnische EU-Ratspräsident Donald Tusk zeigte sich auf Twitter betroffen. "Meine Gedanken sind bei den Opfern. Europa ist bereit zu helfen." Fast gleichlautend noch mitten in der Nacht zum Dienstag der in deutscher Sprache verfasste erste Kommentar der italienischen EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini auf Twitter: "Erschütternde Nachrichten aus Berlin. Europa einmal mehr getroffen. Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und ihren Familien." Der scheidende EU-Parlamentspräsident Martin Schulz kondolierte den deutschen Landsleuten: "Schreckliche Nachrichten aus Berlin. Gedanken bei Familien und Freunden der Opfer, wünsche Verletzten zügige Genesung, Einsatzkräften viel Kraft."

    Aus den USA meldete sich der designierte Präsident Donald Trump zu Wort. Zwar kondolierte auch er den Angehörigen der Opfer, schrieb aber das Attentat ohne Umschweife Terrororganisationen wie dem "Islamischen Staat" zu. "Sie schlachten regelmäßig Christen in deren Gemeinden und Kirchen ab, als Teil ihres globalen Jihad", zitierten ihn mehrere Medien. "Diese Terroristen, ihre regionalen und weltweiten Netzwerke müssen von der Erdoberfläche verschwinden. Das wird eine Mission sein, die wir gemeinsam mit allen freiheitsliebenden Partnern durchführen werden."

    Auf Twitter ergänzte Trump später, bezugnehmend auf die fast gleichzeitig stattgefunden habende Ermordung des russischen Botschafters in der Türkei und auf ein Schussattentat auf Betende in einer Moschee in Zürich: "Es wird immer schlimmer. Die zivilisierte Welt muss umdenken."

    #IchBinEinBerliner

    Weltweit wurde am Dienstag auf Twitter der Hashtag #IchBinEinBerliner genutzt – eine Anspielung nicht nur auf #JeSuisCharlie zu Jahresbeginn 2015, sondern vor allem auf den berühmten Ausspruch des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy bei seinem Besuch in Westberlin 1963. (Gianluca Wallisch, 20.12.2016)

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