Betrüger merkt man sich besonders gut

21. Dezember 2016, 09:00
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Allerdings nur dann, wenn sie Teil der eigenen Gruppe sind, wie nun Psychologen aus Jena berichten

Jena – Verschaffen sich andere einen nach eigenen Maßstäben unverdienten Vorteil, womöglich noch auf Kosten von einem selbst, merkt man sich die Übeltäter besonders gut: Deutsche Psychologen konnten nachweisen, dass unser Gedächtnis solchen Personen einen besonderen Stellenwert zuschreibt – zumindest dann, wenn sie unserer eigenen Gruppe angehören.

"Beobachten wir Personen, die Fehlverhalten abseits der Norm – etwa Betrug – zeigen, dann erinnern wir uns besonders gut an sie, da sie anders gehandelt haben, als wir das erwarten", erklärt Stefanie Hechler, die ihre Studie nun gemeinsam mit ihren Kollegen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Fachmagazin "Cognition" vorgestellt hat.

Kombinierte Erinnerungen

"Dabei handelt es sich um kombinierte Erinnerungen. Das heißt, wir merken uns nicht nur das Gesicht der betreffenden Person, sondern auch die mit ihm verbundene Geschichte." Schließlich sei es besser, bei der nächsten Begegnung nicht nur festzustellen, denjenigen schon einmal gesehen zu haben, sondern auch dass er damals unkooperativ gehandelt hat. Diese soziale Funktionalität tritt allerdings nur auf, wenn man die entsprechende Person in die eigene Gruppe verortet – etwa Firmenkollegen, Koteilnehmer einer Seminargruppe oder auch, weiträumiger gefasst, die Einwohner eines Landes.

In ihrem Experiment teilten die Psychologen den Probanden mit, dass sie Teil einer erfundenen und neuen Gruppe seien, ohne darauf zu verweisen, dass diese eine bestimmte Bedeutung habe. Trotzdem identifizierten sich die Teilnehmer mit ihrer Gruppe, womit gleichzeitig eine Abgrenzung zu einer anderen Gruppe einherging. Nachdem ihnen die Wissenschafter verschiedene Personen mit einer Hintergrundinformation gezeigt hatten, stellte sich heraus, dass sie sich besonders auf ihre Komitglieder konzentriert hatten.

Bedrohung für die Gruppe

Diejenigen aus der eigenen Gruppe, die durch Fehlverhalten aufgefallen waren, hatten sich bei den Probanden besonders eingeprägt. Das traf allerdings nicht auf die Personen aus der Fremdgruppe zu, die sich ebenfalls durch unkooperative Handlungsweisen hervorgetan hatten.

"Es zeigt sich also, dass selbst so basale Vorgänge wie Gedächtnisprozesse, die wir eher unbewusst steuern, von sozialen Kategorisierungen beeinflusst sind", sagt Hechler. "Wir speichern das Handeln gegen die Norm als Gefahr für die Gruppe besonders ab – und somit auch denjenigen, der dafür verantwortlich ist." Allerdings – und das sei eine weitere wichtige Erkenntnis der Jenaer Forscher – schätzten die Teilnehmer des Experiments ihre eigene Gruppe grundsätzlich als positiver ein als eine Fremdgruppe, obwohl sie sich sehr gut an die Betrüger erinnern konnten. (red, 21.12.2016)

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