"Wie werde ich ein Model?" Was wir 2016 über Mode wissen wollten

Kolumne22. Dezember 2016, 11:00
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Wie werde ich ein Model? Was trug man in den Neunzigern? Fragen, die uns laut Google in diesem Jahr besonders unter den Fingernägeln brannten

In diesem Jahr wurde an dieser Stelle bereits einige Male der Versuch unternommen, Modetrends auseinanderzunehmen. Los ging es Anfang 2016 mit dem Comeback des Jogginganzugs, in der letzten Woche war die luftige Netzstrumpfhose dran. Nicht immer schienen die Besprechungen von Oberlippenbart, Sixpack und roten Sneakers auf Gegenliebe zu stoßen. "A bisserl a billiger Touch" attestierte jemand erst vergangene Woche dem Netzstrumpf.

Deshalb soll es zum Ende des Jahres um die wirklich relevanten Modefragen gehen. Nämlich Fragen, die die Internetuser in den letzten zwölf Monaten bewegten, zumindest behauptet das Google. Das Unternehmen hat vor einigen Tagen die Fragen veröffentlicht, die uns unter den Fingern brennen. "Wie werde ich ein Model?" zum Beispiel. Dass solche Fragestellungen noch nicht hinlänglich in Sendungen wie "Austria's Next Topmodel" und Co geklärt wurden, verwundert. Es scheint Aufklärungsbedarf zu geben – nicht nur für angehende Models.

foto: apa/ barbara gindl
Er machte seinen Traum vom Modeln wahr: Oliver Stummvoll, der Sieger der letzten Staffel "Austria's Next Topmodel, umgeben von weiblichen Fans im Juni 2015 in Salzburg.

Auch die Modemagazine und Lifestyleblogs scheinen ihre Hausaufgaben nicht gemacht zu haben. Wer würde sonst wissen wollen, wie "Booties zu Skinny Jeans" getragen werden? Andererseits lässt sich die allgemeine Ratlosigkeit an den vielen nackten Knöcheln, die sogar im Winter auf der Straße herumlaufen, ablesen.

Doch damit nicht genug, die Top Ten der Modefragen des Jahres beinhalten weitere wichtige Fragestellungen. Angesichts der Verbreitung von Sportsocken und XXL-Hoodies, die von Modelabels wie Vetements aus der Versenkung geholt wurden, wollen viele wissen: "Was trug man in den Neunzigern?" Um auf diese Frage Antworten zu finden, müsste es eigentlich genügen, in Bildarchiven zu suchen. Damals gaben zum Beispiel die Spice Girls stiltechnisch den Ton an. Gleichzeitig aber machte der österreichische Minimalist Helmut Lang mit Hightech-Stoffen in New York Furore. Merke: Es ist eben gar nicht so einfach, ein Jahrzehnt stilistisch zu erfassen. Und Google-Suchergebnisse? Taugen maximal zur Aufrüstung für eine Neunzigerjahre-Motto-Party.

foto: reuters/ steve marcus
Bauchfrei, Tattoos, bunte Strähnen: Die Spice Girls gaben Ende der Neunziger auch stiltechnisch den Ton an.

Sonst auf der Liste: Ewige Dauerbrennerthemen. Erstaunlicherweise noch immer angesagt: "Wie geht Hippie-Style, was ist Boho?" Aus Modeperspektive könnte man ätzen, dass solche Fragen 2016 wirklich nicht mehr up to date waren.

Dann doch eher "Wie werde ich Modedesigner?" Scheint noch immer ein Traumjob zu sein. Und eine ordentliche Alternative für all jene, die keine Modelkarriere anstreben. (feld, 22.12.2016)

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