Die Leute haben gedacht, ich bin ein Psychopath

31. Dezember 2016, 08:00
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Der Schauspieler Christian Dolezal wohnt in einer 85 Quadratmeter großen Wohnung im 19. Bezirk

Schauspieler Christian Dolezal liebt seine Schallplatten und die Stereoanlage, mehr Zeit als in seiner Wohnung verbringt er aber im Theater oder bei Freunden. Seit kurzem sehnt er sich nach einem Häuschen im Wald.

"Wir waren einmal zu viert in dieser Wohnung. Meine Eltern, mein Bruder und ich auf 85 Quadratmetern. Es war etwas eng, ich habe auch kein eigenes Zimmer gehabt. Mein einziger Rückzugsort waren meine Kopfhörer. Deswegen ist mir die Musik schon früh sehr wichtig gewesen.

Nachdem meine Eltern verstorben sind, habe ich diese Wohnung im 19. Bezirk wieder übernommen. Damals habe ich alles rausgeworfen, was drin war, zum Beispiel dunkelbraune Wandverbauten, die wirkten auf mich erdrückend. Weil die Räume niedrig sind, achte ich darauf, dass ich helle Möbel habe. Es war mir nur wichtig, dass sie weiß und nicht von Ikea sind.

foto: lisi specht
Vor ein paar Jahren sei ihm das Wohnen noch "völlig wurscht" gewesen, sagt Christian Dolezal. Heute sei er nicht mehr so ein Herumtreiber und verbringe öfter auch Abende zuhause.

In der Küche hängen zwei gerahmte Rezepte meiner Mutter. Drei Tage bevor sie gestorben ist, hat sie mir noch aufgeschrieben, wie man Gulasch und Rindsrouladen zubereitet. Damals habe ich noch Fleisch gegessen. Die handgeschriebenen Rezepte sind so wie alle Bilder in meiner Wohnung von Zeno Smolka gerahmt, meinem besten Freund und einem der besten Rahmenmacher, die es überhaupt gibt.

Ich bin eigentlich nur zu Hause zum Schlafen und Musikhören. Die Schallplatten sind so gestapelt, dass die Cover nach vorn schauen. Plattencover sind Kunstwerke. Immer wenn ich eine Platte nehme, abspiele und danach anders einordne, verändert sich das Bild, das die Plattensammlung ergibt.

fotos: lisi specht
Noch öfter als Serien schaut Dolezal Konzertvideos mit seinem Beamer.

Das Wichtigste in meiner Wohnung sind das Bett und die Stereoanlage. Ein großer schwarzer Fernseher ist, finde ich, für so kleine Räume zu viel, darum habe ich einen Beamer. Noch öfter als Serien sehe ich mir Konzertvideos an.

Noch vor wenigen Jahren war mir das Wohnen völlig wurscht. Früher war ich ständig abends unterwegs, ich war ein Rumtreiber. Ich treffe immer noch viele Freunde, aber nicht ganz so oft wie früher.

Die größte Attraktion dieser Wohnung ist, dass sie in der Nähe der Heurigen liegt. Ich streune gerne zu Fuß zum Zawodsky und zum Berger, weil ich, wenn ich am Abend nicht in Konzerten oder im Theater bin, am liebsten beim Heurigen sitze.

fotos: lisi specht
In der Küche hängen zwei Rezepte von Dolezals verstorbener Mutter – für Gulasch und Rindsrouladen. Heute lebt der Schauspieler allerdings vegetarisch.

Ich arbeite auch nicht zu Hause. Zum Textlernen streife ich zum Beispiel durch die Weingärten und spreche da draußen laut meine Texte. Die Leute kennen mich zum Teil schon. Anfangs haben sie gedacht, ich bin ein Psychopath. Mittlerweile wissen sie, wer ich bin.

Jetzt, wo mir das Wohnen wichtiger geworden ist, sehne ich mich nach einem Häuschen im Wald. Gelegentlich habe ich Besichtigungstermine. Man muss schon länger suchen. Ich habe Zeit und warte auf das Richtige. Mindestens zwei große, hohe Räume fände ich schön. Jedenfalls muss das Haus einen guten Platz für meine Platten und die Boxen bieten.

In einem der Zimmer stehen für gewöhnlich meine Gitarren. Derzeit sind sie aber im Rabenhof, weil ich da den Polizeimajor Kottan spiele und einige Lieder von Kottans Kapelle. Wenn ich früher Theaterengagements außerhalb von Wien hatte, habe ich in allen möglichen Unterkünften gewohnt, unter anderem recht lange in einer Berghütte. In letzter Zeit lasse ich mir meistens ein gutes Hotel buchen. Zum Teil muss ich das auch von der Gage mitzahlen, aber das ist es mir wert.

Zu Silvester bin ich auch nicht zu Hause, ich spiele in Linz den Rappelkopf in Der Alpenkönig und der Menschenfeind. Das Hotel am Domplatz finde ich übrigens wirklich sehr schön. Nach der Vorstellung werden mein Bruder, seine Frau und ich ins neue Jahr feiern." (31.12.2016)

Christian Dolezal (45) arbeitete u. a. am Tiroler Landestheater, wo er den Hamlet spielte. Neben Fernsehrollen wie in "Schlawiner" trat er lange auch am Schauspielhaus Wien auf, etwa in einer dramatisierten Form von Heimito von Doderers "Strudlhofstiege". Ein Prosawerk adaptieren lässt er gerade auch für den Theatersommer Haag, dessen Intendant er ist. In "Don Quijote", in einer Neufassung von Nicolaus Hagg, wird Dolezal ab Juli auch die Titelrolle übernehmen. Im Rabenhof ist er derzeit in "Kottan ermittelt – Das Puppenmusical" und "Das bin doch ich" von Thomas Glavinic zu sehen.

www.theatersommer.at

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