Verbrechen in Myanmar: Kein notwendiges Übel

Kommentar19. Dezember 2016, 17:56
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Es ist unklar, ob Suu-kyi und ihre Mitstreiter die Verbrechen akzeptieren, um anderswo Fortschritt zu bringen, oder sie sogar gutheißen

Neu sind die Vorwürfe nicht – was ihnen allerdings wenig von ihrem Schrecken nimmt: Die Sicherheitskräfte Myanmars (Burmas) gehen nach einem Bericht von Amnesty International in einer neuen Kampagne mit besonderer Brutalität gegen die mehr als eine Million Angehörigen der muslimischen Rohingya-Minderheit vor.

Diese werden im Land schon bisher im besten Fall geduldet und haben keine Bürgerrechte, obwohl sie teilweise seit Generationen in dem Gebiet leben. Auch das ist nicht neu. Neu ist aber das Ausmaß der Taten, mit denen die Armee offenbar auf Angriffe kleiner separatistischer Gruppen reagiert. Protokolliert wurden Vergewaltigungen, willkürliche Tötungen, das Niederbrennen von Häusern und Besitz.

Dass auch die neue Regierung das nicht verhindert, mag vor allem im Westen viele enttäuschen – galt ihnen Aung San Suu-kyi, deren Partei das Land nun de facto führt, doch als Hoffnungsträgerin für eine friedlichere Entwicklung. Doch die Zustimmung zu Verbrechen ist offenbar der Preis, den sie für die Teilhabe an der Macht zu bezahlen bereit ist.

Schon vor der Wahl im Vorjahr hat ihre Partei erkennen lassen, dass sie das Wohlwollen radikaler Buddhisten nicht für verzichtbar hält. Es ist unklar, ob Suu-kyi und ihre Mitstreiter solche Taten akzeptieren, um anderswo Fortschritt zu bringen, oder sie sogar gutheißen. In jedem Fall steht das Stillhalten vor offenkundigem Unrecht den Prinzipien entgegen, für die sie international geehrt wurden. (Manuel Escher, 19.12.2016)

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